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| Die Frauenkirche am Neumarkt - ein Vorwort |
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Enttäuschung hoch. Im Innern fragt`s dann immer träumend: Was wäre, wenn...? Und nüchtern fällt die Antwort aus, die ich mir selber geben kann: Es ist aber nicht ! Die Zeit gab dieser Stadt ein einzigartiges Gesicht. Die Menschen nahmen es brutal. Nun heilt es wieder, schon seit über 60 Jahren. Sehr langsam, das liegt an den Ärzten. Die besten waren`s immer nicht. Die einen schnitten ab, wo man noch retten konnte, die and`ren glaubten, Ruhe bringe was. Weil Geld für weiteres Verbinden fehlte, machte man `ne Tugend aus der Not und stellte diesen Stumpf derweil zur Schau. Und schlug zwei Problemfliegen mit einer großen Klappe. Nie wieder Wunden, rief man und erzielte Wirkung bei den Nachgeborenen. Aber eben nicht bei denen, die das Vorher kannten. Neumarkt 1964 Foto Steffi Hartig(†) |
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In mindestens zwei Dresdner Generationen vor mir stand der Wunsch, die Kirche wieder aufgebaut zu sehen, an allererster Stelle. Doch wurde dieser Wunsch so vielen Leuten nicht erfüllt. Es dauert halt, so ein Projekt. Hat die Ruine irgendwas bewirkt ? Aus heutiger Sicht muss man das bezweifeln. So brodelte der Gedanke an den Wiederaufbau wie in einem erloschen geglaubten Vulkan über Jahrzehnte vor sich hin und als der Druck von Innen groß genug war, schmolz das letzte bisschen Deckschicht und es kam zur Freisetzung der nötigen Energie. Wie immer, wenn sich Großes Wege bahnt, sind satte Säcke fehl am Platz. So kamen die Macher dieser Idee nicht aus den Ratsstuben. Dresdner Schloss 1964 Foto Steffi Hartig(†) |
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Bürger mit Visionen erkannten die einmalige Gelegenheit, ein Werk zu beginnen, was außerhalb unserer Realität zu liegen schien. Die zukünftigen Bedenkenträger waren schon damit beschäftigt, sich selbst in die neuen Machtstrukturen einzuordnen und Manches zu verschleiern. Doch Taten warn gefragt und es musste losgehen. Die Zeit war reif und günstig war sie auch. Die Stadt hat im Nachhinein bewiesen, was geworden wäre, wenn man sie gelassen hätte. Wiewohl, sie wirkte mit. Der Bau begann im Jahre 1993 mit der Enttrümmerung der Ruine. Neumarkt 1974 Foto Steffi Hartig(†) |
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Im Oktober 2005 wurde die Kirche geweiht. George Bähr würde sicher den heutigen Bauleuten auf die Schulter geklopft haben und lächelnd bemerkt haben " ... wenn ich Eure Möglichkeiten gehabt hätte...". Dem Stadtbild hat es gut getan. |
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Nun steht sie also da. Schön. Gewaltig. Beeindruckend. Der Mittelpunkt. |
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Die alten Dresdner zu Tränen rührend. Nur die ? |
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Die ersten Ladennutzer gaben auf. |
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Der Platz, auf dem die Kirche steht, ist zweigeteilt und war`s von Anfang an. Was heißt, er steht im Zwielicht der Interessen. Das müsste hier ein Volksplatz sein, doch weit gefehlt. Des Volkes wahrer Himmel ist das nicht. Edelgastronomie, Mietobjekte, Geldanlage, Langeweile. Disneyland. Teuer ! Das verstehen viele Dresdner heute unter dem Neumarkt. Und diese Stadt befördert das mit Macht. Um in der Liga Weltstadt mitzuspielen, braucht`s viel von dem, was dort entsteht. Und doch, die Mischung macht´s. Die fehlt. |
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| Die gab`s schon mal. Wer weiß schon, ob die wieder stimmen ? Das Pflaster auf dem Platz stimmt schon mal nicht. Dem Zeitgeist wurden Lücken angepasst. Genug geschmollt, es gibt auch Zukunftweisendes. Etwas, das dieser, vor verkehrsproblemlösenden Ideen nur so strotzenden Stadt die verkehrskonzeptionelle Krone aufsetzt. Etwas, was die Kommunikation zwischen verirrten Autofahren und unschuldigen Fußgängern befördert, ehe erstere ihre sächsischen Knöllchen empfangen. Man kann auf dem Neumarkt mit seinem Auto Runden drehen, bis man entweder alles gesehen oder sein Hotel gefunden hat. Wie man da herumfährt, ist völlig wurscht, wenn man nur keine Touristen umfährt. Das ist nicht geregelt, ausgerechnet, denn die Regelungswut dort kennt sonst keine Grenzen, wie man sehen wird. |
Über solche Sachen haben die zwei Typen im Februar des Jahres 1981 auf dem Sockel vom Lutherdenkmal nicht nachgedacht. Eine Vorstellung von einem anderen Neumarkt hatte die auch nicht, denn der Neumarkt war für deren Begriffe intakt. Es gab eine Imbisbude in Form eines Schiffes und da gab es Bier. Eine andere Vorstellung zu haben, war angesichts der brach liegenden Fläche auch nicht einfach. Die Zeiten haben sich mächtig geändert. Der Typ links im Bild schreibt jetzt an dieser x`ten Seite. Warum ? Weil er vom Nachwendegeschehen am Neumarkt auch ziemlich beeindruckt war und immer mal die Kamera abwechselnd von unten oder oben drauf gehalten hat. |
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Hier geht es in das Jahr 1993. | ||
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