Reiseeindrücke
      4.Tag 10.10.04     aus dem Mekongdelta in Vietnam

Das Programm für den Vormittag dieses  4.Tages der Mekongreise lautete:
05:45 Uhr Sonnenaufgang
06:00 Uhr Kaffee oder Tee auf dem Sonnendeck
07:00 Uhr Frühstück
08:00 Uhr Abfahrt mit 2 Booten zum schwimmenden Markt von Cai Be



Ganz früh, so kurz nach sieben, entstand das Foto dieses Lastkahnes, der Reisstroh geladen hatte. Vom Reis wird ja praktisch alles verwendet und so dienen  Stroh und Reisschalen z.B. als Brennmaterial. Beim Foto fällt was auf. Überall im Land war  die Begrüßung durch die Menschen äußerst herzlich. Nur ganz selten, aber es kam eben doch vor, wurden " die Langnasen auf dem Luxus-Schiff " keines Blickes gewürdigt. Kann man es denen aber verdenken, die unter größten Mühen ihren Lebensunterhalt verdienen müssen und dann auf - nach Katalogangaben des Veranstalters - " im Kolonialstil Reisende " treffen, denen vermeintlich wohl die gebratenen Tauben in den Mund fliegen ?



Nun, der Kolonialstil mag ja für viele potentielle Kunden ein Verkaufsargument sein, aber gerade den Vietnamesen könnte man sich mit solcher Einstellung nicht nähern. Gerade die fleißigen Leute in diesem dieses Land brauchen niemanden, schon gar nicht aus Europa, der glaubt, ihnen von oben herab zeigen zu müssen, wie gearbeitet wird. Doch man kann schon war daraus machen und das Reise-und Ausflugsangebot mit diesem zweifellos sehr schönen Schiff und auch excellentem Service durch eine internationale Mannschaft aus Vietnam, Myanmar (Burma) und Kambodscha zur Erfüllung lang gehegter Reiseträume nutzen. Zufällig wurde uns an diesem Tag später noch einmal vor Augen geführt, daß man bei schwerer Arbeit andere Sorgen hat, als für eine Meute Touristen Modell zu stehen.

 
Nun schaukelten wir mit einem kleinen Boot nach Cai Be, vorbei an einem großen schwimmenden Markt. Die meisten Geschäfte waren offensichtlich ganz früh gelaufen, denn es war dort relativ ruhig. Zu unserer Überraschung gab es eine katholische Kirche, die gar nicht recht in dieses asiatische Bild passen wollte. Es ist schön zu sehen, wie unkompliziert man mit dieser "fremden" Religion umgeht und es stünde den Deutschen gut an, wenn sie das auch so handhaben würden. Oh, da braucht es noch viel Toleranz. Es war Gelegenheit, 
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in einem Seitenarm an Land zu gehen und sich 
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cai_be_ausfl_reispapier_101004_c_580.JPG (123299 Byte) das Dorfleben anzuschauen. Das waren zu großen Teilen geschäftstüchtige Vietnamesinnen, die glaubten, daß man ihnen keinen Wunsch abschlagen kann. Sie waren von umwerfendem Geschäftssinn beseelt. Und waren trotzdem ehrlich freundlich.  ( Hallo Deutschland ! ) So erwarben wir für sehr wenige US-Dollar attraktive Baumwollhemden, die dann 1. von Stand zu Stand immer weniger kosteten, 2. auf den Fotos der folgenden 2 Wochen immer auftauchen und 3. die Reise teilweise wegen doch geringer Halbwertzeiten bei den Zerfallseigenschaften nicht bis zum Ende überstanden. Vietnam eben ... :-) Vorbei an zum Trocknen ausgelegtem Reispapier traf ich auf diese Leute beim Entladen eines mit 

cai_be_ausfl_lytschiboot_101004_c_580.JPG (105642 Byte) Lytschi-Früchten beladenen Kahnes. Was für eine Fracht. Als ich ihnen bedeutete, ein Foto machen zu wollen, winkten sie freundlich ab, was wohl heißen sollte, " wir haben zu tun, störe nicht " oder so ähnlich. Es ist akzeptiert. Dieses Abwinken habe ich nun auf dem Foto. Ich bot ihnen, sozusagen als Entschädigung für`s Fotografieren an, einen Korb selbst vom Boot in`s Haus zu tragen, worauf man mit ungläubigem Lachen reagierte. Ich stieg in das Boot, schnappte mir einen Korb und trug ihn in die Hütte ( Haus wäre übertrieben ). Dort lachten die anwesenden Frauen noch mehr.  Auch den Korb schnappen trifft es nicht, denn der hatte sicher 30 kg und sie haben ihn mir auch auf die Schulter gehoben. Danach hatten sie dann nichts mehr gegen ein Foto, doch 

cai_be_ausfl_salz_101004_c_580.JPG (76276 Byte) die Spontanität war raus .Man kann immer staunen, wenn man die Leute bei ihrer Arbeit unter wirklich einfachsten Verhältnissen beobachtet. Bei Temperaturen, die ohnehin bei über 30 Grad liegen, nötigt das Salzsieden Respekt ab.

cai_be_ausfl_dachflechten_101004_c_580.JPG (161512 Byte) Ganz im Gegenteil zu deutschen Schülern würde dieses Mädchen vielleicht viel lieber in die Schule gehen, als hier Bananendachmatten herzustellen. Und sie hatte noch einen Berg vor sich... Es ist und bleibt Kinderarbeit.

cai_be_ausfl_boot_mit_steg_101004_c_580.JPG (119342 Byte) Diese - freundlichen - Schlitzohren hätten es wohl am liebsten gesehen, wenn der Webmaster mit diesem Brett baden gegangen wäre, als er mal auf dem Kahn Guten Tag sagen wollte. Es hat aber gehalten :-)

Wir sind immer noch in Cai Be. Auf der Rückfahrt zu unserem Schiff konnte man das pure Leben auf und an dem Flußarm beobachten. Es gab Einblicke in interessante Werkstätten und noch interessantere Einblicke in eine Wohnung mit Garagenfunktion. Alle Fotos wurden mit  freundlicher Zustimmung der Leute aufgenommen. Man müsste das mal in Deutschland versuchen.

 


cai_be_ausfl_wohnung_mit_moped_101004_c_580.JPG (94212 Byte) cai_be_ausfl_werkstatt_101004_c_580.JPG (207764 Byte)

Sehr auffällig sind an fast allen Booten zwei Augen aufgemalt. Die Erklärung ist genau so einfach wie einleuchtend: 4 Augen sehen mehr als 2, ist doch klar. Nach Rückkehr zum Schiff nahm dieses an diesem Abend Kurs auf das 140 km entfernte, am unteren Mekong gelegene, Chau Doc. cai_be_ausfl_boot_mit_augen_101004_c_580.JPG (130768 Byte)
Bei Vinh Long passiert man die 1800 m lange, sogenannte australische Brücke. Sie wurde vom australischen Staat gefördert und vom deutschen Unternehmen Bilfinger und Berger gebaut, hörte man. Ein imposantes Bauwerk, daß sich ganz unauffällig der Mekong - Urwaldlandschaft 

vinh_long_australische_br_101004_c_b1000.JPG (85701 Byte) anpasst, die von den Wäldern und schwimmenden Dörfern rechts und links des Mekong gebildet wurde. Diese Brücke ist von der Bauart her gar nicht so verschieden von unserem Dresdner Blauen Wunder und die Leute werden dankbar sein über dieses Bauwerk, denn es erfüllt den ihm zugedachten Zweck. Die Brücke steht mitten im Urwald. Ein Waldschlösschen haben sie dort nicht und auch die UNESCO wird sich einen Sch... um diesen Eingriff in die Landschaft gekümmert haben. Ich vermute sogar, sie hat einen Preis verteilt.  

nacht_580.JPG (11194 Byte) Die erholsame Fahrt in den Abend ging weiter, bei der ein Hauch von Fahrtwind nur wenig Kühlung brachte. Man hält die tropische Wärme auf dem Schiffsdeck aber sehr gut aus :-)Unbeschreiblich dann das lautlose Gleiten des Schiffes durch die sternenklare Nacht. Hier ein nach der Erinnerung gezeichnetes Bild des Sternenhimmels. Unwirklich dann die Ruhe, die uns umgab, als das Schiff wieder mitten im Fluss auf Rede gelegt wird und wir nach ein paar Runden auf dem Sonnendeck zufrieden in den Schlaf sinken, denn morgen früh geht wieder pünktlich um 05:45 Uhr die Sonne auf und da wollen wir dabei sein. 

Der 5. Tag.


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aktualisiert 24.03.08