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Phnom Penh im roten Licht 

 
     
   
     
 

Das ist der sechste Tag einer Reise von Vietnam nach Kambodscha auf dem Mekong. Phnom Penh. Nach dem   endlosen Prozedere an der Grenze von Vietnam zu Kambodscha fuhr das Schiff die ganze Nacht. Beim Aufwachen fiel der erste verschlafene Blick aus dem Fenster gleich auf diese Palastanlagen. In weniger als 2 min war der Webmaster an Deck und war einfach nur fasziniert. Das unwirklich rötliche Licht vor dem Sonnenaufgang tat das Übrige. Das Schiff kam gegen 05:00 Uhr etwa in Höhe vom Königspalast in Phnom Penh in der Flussmitte zum Stehen. 

 
     
 

Der Stopp diente "behördlichen Zwecken" und dauerte wieder 4 Stunden. Auf dem Bild geht ein Grenzbeamter von Bord. Von Langeweile konnte aber keine Rede sein. Die Zeit verging recht kurzweilig. Und zum  Schwatzen mit unseren gut deutsch sprechenden Reiseleitern aus Kambodscha war auch mal Zeit. Das waren also insgesamt 9 (!) Stunden Grenzkontrolle.

 
       
   
 

 

 
 

Und wir kamen schon mit Visum ins Land, welches wir  6 Wochen vor der Reise bei der Kambodschanischen Botschaft in Berlin beschafft hatten. Sie nehmen es mehr als genau. Aber der Landgang war hier ohnehin erst Tage später geplant, was sich noch als Glücksfall herausstellen sollte. Gegen 09:00 Uhr ging die Fahrt weiter flussaufwärts nach Angkor Ban. Wir defilierten noch einmal an der königlichen Kulisse vorbei. Das Licht war jetzt weniger romantisch. Es fiel schon auf, dass das Leben hier weniger pulsierte als in Vietnam. Erklärungen muss man mühsam zusammen tragen. Der Mekong ist die Lebensader. Alles  spielt sich am Wasser ab. Das Baden, das Waschen und auch die Nutzung als Trinkwasser für Mensch und Tier. Chemisch aufbereitet im hauseigenen "Chemiewerk", wie wir hörten und 

 
     
 

im linken Bild sahen. Dürfte stark übertrieben sein. Und selbst wenn, dann ist es aber noch lange kein richtiges Trinkwasser. Eines der größten Probleme. Aber nicht das einzige. Außer in den Städten oder großen Ortschaften gibt es keine funktionierende Post. Elektrizität  ist nicht selbstverständlich. Auf dem Lande ist sie kaum vorhanden. Seit Pol Pot gibt es im Land praktisch keine  Industrie mehr. Dieses Land war vor 1953 lange unter französischer und japanischer Besatzung.

 
     
 

Von 1969 - 1973 im Vietnamkrieg wurde auch Kambodscha mit flächenhaften Bombardements der Amerikaner überzogen um die "kommunistische Bewegung" zu zerstören. (Wo haben die US-amerikanischen

 
zwischen Phnom Penh und Angkor Ban
     
 

Friedensengel in der Welt eigentlich mal nichts zerstört ?) Von 1975 bis 1979 terrorisierten die Roten Khmer unter Pol Pot die eigene Bevölkerung und brachten 2 Mio Menschen um. 

 
bei  Angkor Ban
 

 

 
 

1979 rückten die Vietnamesen in Kambodscha ein und befreiten das Land von den Roten Khmer aber sie beuteten  das Land danach gnadenlos selbst aus. Noch heute sind die Kambodschaner auf die Vietnamesen überhaupt nicht gut zu sprechen, hört man. Die Auseinandersetzung zwischen Vietnamesen und den im Untergrund weiter operierenden Roten Khmer dauerten  an und eskalierten von 1985 - 1989. Das war auch die Zeit, in der das Land mit chinesischen und russischen Minen ausgelegt wurde. Davor wird heute noch gewarnt. Viele Krüppel sprechen eine allzu deutliche Sprache.

Man hört auch das: Viele Rote Khmer sind heute noch in gehobenen Positionen im Land. Der heutige Ministerpräsident war einst auch mit maoistischem Gedankengut verseucht und hat bei den  Roten Khmer mitgemischt ! Er hat sie dann auch mit verjagt und später nicht so hart bestraft , wofür man ihm allgemein dankbar ist. Asiatische Logik , die wir wohl nie verstehen werden. Der Verbrecher Pol Pot hatte bis zu seinem Tod einen ruhigen Lebensabend als Rentner. Der Alltag wird von Korruption beherrscht.

Ein übermächtiger Sicherheitsapparat kontrolliert alles. Wie reagiert ein Volk, welches doch wie alle Asiaten, gewohnt ist, Harmonie und -noch- ehrliche Freundlichkeit zu leben auf eine solche Entwicklung ? Die arme Landbevölkerung scheint - wahrscheinlich wegen Unwissenheit - damit zwar weniger Probleme zu haben und es besteht Hoffnung, dass die Kinder es vielleicht überwinden. Doch haben die Ereignisse die kambodschanische Gesellschaft ganz sicher schwerer getroffen, als man zugibt.

Man merkt  anhand vieler offener und versteckter Hinweise, dass  viele Leute frustriert und  tief traumatisiert sind. In wenigen Gesprächen, die man mit englisch sprechenden Einheimischen führen konnte, war  der Eindruck zu gewinnen, dass keiner sagt, was er denkt. Soll heißen, man traut sich nicht und gibt das auch zu. Eine gute Basis für - angebliche - Demokratisierungsbemühungen in dem geschundenen Land ist das nicht. Und schon lange sind wieder Menschenhändler aktiv, die die Armut skrupellos ausnutzen und die Kinder des Landes als Sklaven und zur Prostitution

 
     
 

verkaufen. Es bleibt, wenn man die überaus freundlichen Menschen dort erlebt hat, die Hoffnung, dass das Land einen Weg einschlägt, der wenigstens langsam in so etwas wie demokratische Strukturen führt. Die kambodschanische Volkspartei, der letzte Wahlgewinner, gibt bei Stimmabgabe für eben diese Partei ein nicht unbedeutendes Geschenk an jeden Wähler, was sich die kleinen Parteien leider nicht leisten können. Na, das ist doch ein Anfang. 

 
bei Angkor Ban
     
  nach_angkor_ban_ufer_zuschauer_1201004_c_580.JPG (126524 Byte)

Aber wir sind immer noch bei der Fahrt durch idyllische Flusslandschaften am Mekong. Wir erreichten gegen Mittag Angkor Ban, ein Dorf, welches für seine Mekongrennboote berühmt ist, wie man hörte. Und da konnte man gleich ein Rennen beobachten. Mindestens 45 Leute haben sich ihre Lebensfreude erhalten. Schade, dass ich die Gesänge nicht darstellen kann. Am Ufer war man ausgelassener Stimmung. Das war der erste nähere Eindruck von den Kambodschanern und der war überwältigend.

 
bei Angkor Ban
     
   
 
 
   
 
 
 

Der zweite Eindruck in Angkor Ban war genauso unvergesslich. Noch sind hellhäutige Langnasen was Besonderes und wenn die dann gleich massenhaft in den Ort einfallen, ist das ein Ereignis mitten in Kambodscha.  Noch keine nervigen "Verkaufsgespräche". Man empfing die Fremden mit großem Interesse  und ging dann weiter seiner Beschäftigung nach. Es steht zu befürchten, dass das nicht so bleibt. Aufgrund reisegruppendynamischer Zwänge war es zeitlich leider kaum möglich, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Hier noch fotografische Momentaufnahmen:

 
 

 

 
   
           
   
           
   

Die Eindrücke lassen sich kaum in Worte fassen. Im Bild ganz rechts sieht man im Hintergrund eine Tankstelle von denen es auf einer Länge von 100 m sicher 4 bis 5 gab.   

Die Kinder haben ehrlich gestaunt. Über uns.
 Und wir über sie. Aber staunen konnte man nicht

         
 

nur über die Kinder. Auch darüber, was jemand, der im Besitz einer Kuh ist, für einen Schatz sein Eigen nennt, denn die kostet mit 600 Euro in Kambodscha ein

 
         
 

richtiges Vermögen. Obwohl wir nicht viel Zeit im Ort verbracht haben, waren wir doch tief beeindruckt, dieses unverfälschte Leben dieser ebenso unverfälschten

 
     
   
 

 

 
 

Menschen kennen gelernt zu haben. So gestaltete sich bei Einbruch der Dämmerung der Abschied von den - im Grunde wildfremden - Menschen doch etwas wehmütig. Aber auch in den Augen der Kambodschaner glaubte man Geschichten lesen zu können. Viele Leute waren zum Schiff gekommen und winkten uns noch lange nach. Sollte es uns wieder in diese Gegend verschlagen, werden wir versuchen, Angkor Ban wieder zu besuchen. Nach weiteren 3 Stunden Fahrzeit legte das Schiff in einer Kleinstadt mit 33000 Einwohnern namens Kampong Cham an. Gelegen etwa am Mittellauf des kambodschanischen Mekongs. Wir hatten Gelegenheit, der Stadt abends nach 20 Uhr einen Besuch abzustatten. Der Webmaster kann den Eindruck dieser Stadt nur mit `depressiv` beschreiben. Große Teile der Stadt scheinen unbewohnt zu sein. Der Rest ist schlecht

 
Karte aus Wikipedia
     
   
  Foto vom 12.10.04  Angkor Ban mit freundlicher Genehmigung von Frau Dagmar Völker aus Iserlohn  
 

beleuchtet und es war auf den Strassen kaum was los. Die Beleuchtung unseres Schiffes hatte keine Probleme, der spärlichen Stadtbeleuchtung Konkurrenz zu machen. Wir waren sicher, uns verguckt zu haben als wir meinten, auf einem Moped jemanden mit einer Maschinenpistole gesehen zu haben. Aber an einer Straßenkreuzung hing dann tatsächlich eine weitere echte, geladene und einsatzbereite Kalaschnikow Kaliber 7,62 mm am Geländer, die der Webmaster vor über 25 Jahren mal sehr gut kannte und hier einfach in der Hand nehmen musste, sonst hätte er es selbst nicht geglaubt. Etwas abseits saß ein Uniformierter mit Bierbüchsen auf dem Tisch vor sich ...

Der Webmaster hat, nachdem er den entdeckt hatte, die MPI schnellstens artig wieder an den Zaun gestellt, denn wir wollten noch einen Gaststättenbesuch machen. Man hat da erst mal auf einem Tisch Platz geschaffen. Unfreundlich waren sie nicht, die Leute. Wir beließen es bei einem Dosenbier, denn es gelang ein Blick in die und ein Bild von der Küche. Ich zeige es lieber nicht.

Auf Grund vieler Reisen nach Asien haben wir in dieser Hinsicht schon Einiges erlebt und sind überhaupt nicht pingelig. Doch dass man sich hier ziemlich gehen lässt, ist auch für asiatische Verhältnisse nicht verständlich. Ist das vielleicht doch der Ausdruck allgemeiner Frustration ?

Auffällig waren auch viele einheimische Jugendliche, die betrunken waren. Das haben wir in Asien bisher in keinem Land gesehen. Damit verliert nach asiatischem Verständnis jemand  in der Öffentlichkeit sein Gesicht. Es passt nicht ins Bild aber wir werden den guten Eindruck von den Kambodschanern deshalb nicht verwerfen. In einem Land, wo sich nicht mal alle Leute ein Moped leisten können, fallen große Autos einfach auf. Die Autos, die es in Kambodscha gibt, sind offenbar alle sehr groß. Auffällig war, dass nach unserem Eindruck ständig die gleichen großen Autos um uns kreisten. Videokameras hinter Autoscheiben waren im Einsatz. Man könnte meinen, man wird überwacht. Dass wir "Ossis" das 

 
     
 

auch noch erleben ... dachte ich damals, nicht ahnend, wie wir im Jahre 2015 und davor und ganz sicher noch danach von BND und NSA mit Billigung der deutschen Regierung ausgehorcht wurden und werden. Da können einem die Leute mit der Videokamera in Kambodscha eigentlich nur leid tun in Ihrem Bemühen ... 

 
     
 

Wir nahmen es gelassen. Den Drang, im Dunkeln allein durch die Stadt zu gehen, verspürte übrigens niemand. Am Abend gab es noch  spät auf dem Schiff interessante kambodschanische Musik. Der Webmaster hat  - wieder erfolglos - versucht, auf dem linken Instrument einen vernünftigen Ton zu spielen. Damit ging dieser erste Tag in Kambodscha zu Ende. Am nächsten Tag war der Besuch eines Tempels geplant. Schon wieder ein Tempel, dachte sicher mancher. Vorab: Es war der Hammer, wie unser Sohn sagen würde. Hier der Bericht.

 
 
 
   
 
 
     
  rundreise vietnam kambodscha thailand 6.tag 12.10.04  
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