Auf Mekong und Tonle Sap
   12.10.04   6.Tag nach Angkor

Phnom Penh. Nach dem  Prozedere an der Grenze von Vietnam zu Kambodscha fuhr das Schiff die ganze Nacht. Beim Aufwachen "rollte" es gerade aus. Der erste verschlafene Blick aus dem Fenster fiel gleich auf diese Palastanlagen. In weniger als 2 min war der Webmaster an Deck und war einfach nur fasziniert. Das unwirklich rötliche Licht vor dem Sonnenaufgang tat das Übrige.


Das Schiff kam gegen 05:00 Uhr etwa in Höhe vom Königspalast in Phnom Penh in der Flußmitte zum Stehen. Der Stop diente "behördlichen Zwecken" und dauerte wieder 4 Stunden. Auf dem Bild geht ein Grenzbeamter von Bord. Von Langeweile konnte aber keine Rede sein. Die Zeit verging recht kurzweilig. Und zum  Schwatzen mit unseren gut deutsch sprechenden Reiseleitern aus Kambodscha war auch mal Zeit. Das waren also insgesamt 9 (!) Stunden Grenzkontrolle. Und wir kamen schon mit Visum in`s Land, welches wir  6 Wochen vor der Reise bei der Kambodschanischen Botschaft in Berlin beschafft haben. Sie nehmen`s mehr als genau. Aber der Landgang war hier


ohnehin erst Tage später vorgesehen, was sich noch als Glücksfall herausstellen sollte. Gegen 09:00 Uhr ging die Fahrt weiter  flußaufwärts nach Angkor Ban. Wir defilierten noch einmal an der königlichen Kulisse vorbei. Das Licht war jetzt weniger romantisch. Es fiel schon auf, daß das Leben hier weniger pulsierte als in

Vietnam. Erklärungen dafür muss man mühsam zusammentragen. Der Mekong ist die Lebensader. Alles spielt sich hier am Wasser ab. Das Baden, Waschen und auch die Nutzung als Trinkwasser für Menschen und Tiere. Chemisch aufbereitet im hauseigenen "Chemiewerk", wie wir hörten. Dürfte stark übertrieben sein. Und selbst wenn, dann ist es aber noch lange kein richtiges Trinkwasser. Eines der größten Probleme. Aber nicht das einzige. Außer in den Städten oder großen Ortschaften gibt es keine funktionierende Post. Elektrizität  ist nicht selbstverständlich. Auf dem Lande ist sie kaum vorhanden. Seit Pol Pot gibt es im Land praktisch keine  Industrie mehr. Dieses Land war vor

1953 lange unter französischer und japanischer Besatzung. Von 1969 - 1973 z.Z. des Vietnamkrieges wurde auch Kambodscha mit Flächenbombardements der Amerikaner überzogen um die kommunistische Bewegung zu zerstören (!). Von 1975-1979
zwischen Phnom Penh und Angkor Ban

terrorisierten die Roten Khmer unter Pol Pot die eigene Bevölkerung und brachten 2 Mio Menschen um . 1979 rückten die Vietnamesen in Kambodscha ein und befreiten das Land von den Roten Khmer aber sie beuteten 
bei  Angkor Ban

das Land danach gnadenlos selbst aus. Noch heute sind die Kambodschaner auf die Vietnamesen überhaupt nicht gut zu sprechen, hört man. Die Auseinandersetzung zwischen Vietnamesen und den im Untergrund weiter operierenden Roten Khmer dauerten  an und eskalierten von 1985 - 1989. Das war auch die Zeit, in der das Land mit chinesischen und russischen Minen ausgelegt wurde. Davor wird heute noch gewarnt. Viele Krüppel sprechen eine allzu deutliche Sprache.

Man hört auch das: Viele Rote Khmer sind heute noch in gehobenen Positionen im Land. Der heutige Ministerpräsident war einst auch mit maoistischem Gedankengut verseucht und hat bei den  Roten Khmer mitgemischt ! Er hat sie dann auch mit verjagt und später nicht so hart bestraft , wofür man ihm allgemein dankbar ist. Asiatische Logik , die wir wohl nie verstehen werden. Der Verbrecher Pol Pot hatte bis zu seinem Tod einen ruhigen Lebensabend als Rentner. Der Alltag wird von Korruption beherrscht.

Ein übermächtiger Sicherheitsapparat kontrolliert alles. Wie reagiert ein Volk, welches doch wie alle Asiaten, gewohnt ist, Harmonie und -noch- ehrliche Freundlichkeit zu leben auf eine solche Entwicklung ? Die arme Landbevölkerung scheint - wahrscheinlich wegen Unwissenheit - damit zwar weniger Probleme zu haben und es besteht Hoffnung, daß die Kinder es vielleicht überwinden. Doch haben die Ereignisse die kambodschanische Gesellschaft ganz sicher schwerer getroffen, als man zugibt.

Man merkt  anhand vieler offener und versteckter Hinweise, daß  viele Leute frustriert und  tief traumatisiert sind. In wenigen Gesprächen, die man mit englisch sprechenden Einheimischen führen konnte, war  der Eindruck zu gewinnen, daß keiner sagt, was er denkt . Soll heißen, man traut sich nicht und gibt das auch zu. Eine gute Basis für - angebliche - Demokratisierungsbemühungen in dem geschundenen Land ist das nicht.


Und schon lange sind wieder Menschenhändler aktiv, die die Armut skrupellos ausnutzen und die Kinder des Landes als Sklaven und zur Prostitution verkaufen. Es bleibt, wenn man die überaus freundlichen Menschen dort erlebt hat, die Hoffnung, daß das Land einen Weg einschlägt, der wenigstens langsam in so etwas wie demokratische Strukturen führt. Die kambodschanische Volkspartei, der letzte Wahlgewinner, gibt bei Stimmabgabe für eben diese Partei ein nicht unbedeutendes Geschenk an jeden Wähler, was sich die kleinen Parteien leider nicht leisten können. Na, das ist doch ein Anfang. Aber wir sind immer noch bei der Fahrt durch idyllische Flußlandschaften am Mekong und erreichten gegen Mittag ...
bei Angkor Ban

Angkor Ban, ein Dorf , welches für seine Mekongrennboote berühmt ist, wie man hörte. Und da konnte man gleich ein Rennen beobachten. Mindestens 45 Leute haben sich ihre Lebensfreude erhalten. Schade, dass ich die Gesänge nicht darstellen kann. Am Ufer war man ebenso ausgelassener Stimmung. Das war der erste nähere Eindruck von den Kambodschanern und der war überwältigend. Der zweite Eindruck in Angkor Ban war genauso unvergesslich. Noch sind hellhäutige Langnasen was Besonderes und wenn die dann gleich massenhaft in den Ort einfallen, ist das ein Ereignis mitten in Kambodscha.  Noch keine nervigen "Verkaufsgespräche". Man empfing die Fremden mit großem Interesse  und ging dann weiter


seiner Beschäftigung nach . Es steht zu befürchten, daß das nicht so bleibt. Aufgrund reisegruppendynamischer Zwänge war es zeitlich leider kaum bis unmöglich mit den Leuten in`s Gespräch zu kommen. Hier einige fotografische Momentaufnahmen von unserem Aufenthalt. Die Eindrücke lassen sich kaum in Worte fassen. 


Die Kinder haben

 ehrlich gestaunt.

Über uns.

Und wir über sie.


Aber staunen konnte man nicht nur über die Kinder. Auch darüber, was jemand, der im Besitz einer Kuh ist, für einen Schatz sein Eigen nennt, denn die kostet mit 600 Euro in Kambodscha ein richtiges Vermögen.


Im Bild rechts oben sieht man im Hintergrund eine Tankstelle von denen es auf einer Länge von 100 m sicher 4 bis 5 gab. Da wird offensichtlich Oktan - Cola angeboten.

Es war nicht rauszukriegen, was es mit den Akkus auf sich hat. Möglicherweise ist es eine Ladestation. Wahrscheinlicher ist aber, daß das eine Energieversorgungsstation ist oder beides ?  Wer Akkus laden oder mit Strom umgehen kann, ist natürlich auch ein guter Frisör. Mancher ist auch gleich Zahnarzt.



Obwohl wir nicht viel Zeit im Ort verbracht haben, waren wir doch tief beeindruckt, dieses unverfälschte Leben dieser ebenso unverfälschten Menschen kennengelernt zu haben. So gestaltete sich bei Einbruch der Dämmerung der Abschied von den - im Grunde wildfremden - Menschen doch etwas wehmütig. Aber auch in den Augen der Kambodschaner glaubten wir Geschichten lesen zu können. Viele Leute waren zum Schiff gekommen und winkten uns noch lange nach. Sollte es uns wieder in diese Gegend verschlagen, werden wir versuchen, Angkor Ban wieder zu besuchen. Nach weiteren 3 Stunden Fahrzeit legte das Schiff in einer Kleinstadt mit 33000 Einwohnern namens Kampong Cham an. Gelegen etwa am Mittellauf des kambodschanischen Mekongs. Wir hatten Gelegenheit, der Stadt abends nach 20 Uhr einen Besuch abzustatten. Der Webmaster kann den Eindruck dieser Stadt nur mit `depressiv` beschreiben. Große Teile der Stadt scheinen unbewohnt zu sein. Der Rest ist schlecht beleuchtet und es war auf den Strassen kaum was los.
Karte aus Wikipedia

Über diese Brücke fuhren in einer 33000-Einwohner-Stadt abends um 08:00 Uhr  minutenlang keine Fahrzeuge, was ziemlich ungewöhnlich ist. Da haben wir selbst mal Modell gestanden. Foto vom 12.10.04 Kampong Cham.

 

 

Die Beleuchtung unseres Schiffes hatte keine Probleme , der spärlichen Stadtbeleuchtung Konkurenz zu machen.

Foto vom 12.10.04  Angkor Ban mit freundlicher Genehmigung von Frau Dagmar Völker aus Iserlohn

Wir waren sicher, uns verguckt zu haben als wir meinten, auf einem Moped jemanden mit einer Maschinen-pistole gesehen zu haben. Aber an einer  Strassenkreuzung hing dann tatsächlich eine weitere echte, gela-dene und einsatzbereite Kalaschnikow Kaliber  7,62 mm am Geländer, die der Webmaster vor über 25 Jahren mal sehr gut kannte und hier einfach in der Hand nehmen mußte, sonst hätte er es selbst nicht geglaubt (!) Etwas abseits saß ein Uniformierter mit Bierbüchsen auf dem Tisch vor sich ...

Der Webmaster hat, nachdem er den entdeckt hatte, die MPI artig wieder an den Zaun gestellt, denn wir wollten noch einen Gaststätten-besuch machen. Man hat da erst mal auf einem Tisch Platz geschaffen. Unfreundlich waren sie nicht, die Leute. Wir beließen es bei einem Dosenbier , denn es gelang ein Blick in die und ein Bild von der Küche. Ich zeige es lieber nicht.

Auf Grund vieler Reisen nach Asien haben wir in dieser Hinsicht schon Einiges erlebt und sind überhaupt nicht pingelig. Doch daß man sich hier ziemlich gehen läßt, ist auch für asiatische Verhältnisse nicht verständlich. Ist das vielleicht doch der Ausdruck  allgemeiner Frustration ?


Auffällig waren auch viele einheimische Jugendliche , die betrunken waren. Das haben wir in Asien bisher in keinem Land gesehen. Damit verliert nach asiatischem Verständnis jemand  in der Öffentlichkeit sein Gesicht.  Es paßt nicht in`s  Bild aber wir werden den guten Eindruck von den Kambodschanern deshalb nicht verwerfen. In einem Land , wo sich nicht mal alle Leute ein Moped leisten können, fallen große Autos einfach auf . Die Autos, die es in Kambodscha gibt, sind offenbar alle sehr groß. Auffällig war, daß nach unserem Eindruck ständig die gleichen großen Autos um

uns kreisten. Videokameras hinter Autoscheiben waren im Einsatz. Man könnte meinen, man wird überwacht. Daß wir "Ossis" das auch noch erleben ... Wir nahmen es gelassen. Den Drang, im Dunkeln allein durch die Stadt zu gehen, verspürte übrigens niemand. Am Abend gab`s noch  spät auf dem Schiff interessante kambodschanische Musik. Der Webmaster hat  - wieder erfolglos - versucht, auf dem linken Instrument einen vernünftigen Ton zu spielen. Damit ging dieser erste Tag in Kambodscha zu Ende. Am nächsten Tag war der Besuch eines Tem-pels geplant. Schon wieder ein Tempel, dachte sicher mancher. Vorab: Es war der Hammer, wie unser Sohn sagen würde.
Hier der Bericht, wie das da war...

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aktualisiert 20.03.08