Konzerte I Artrock I YES
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Tonight NIX YES


Mein Gott, was für ein Satz. Poetischer und treffender als es Lothar M.aus Berlin hier auf den Punkt gebracht hat, kann man kaum ausdrücken, was an Rock-Urgewalt abläuft, wenn  Jon  Anderson, Chris Squire, Rick Wakeman, Steve Howe und Alan White den Artrock-Himmel zelebrieren. Die machen das seit 1969. Die Geister scheiden sich bei der Musik. Man findet einen Zugang oder eben nicht. Für diejenigen, denen das gelingt, ändert sich die Welt mit jedem Konzert ein bißchen zum Positiven, denke ich. Mir gefällt`s seit 33 Jahren. Da muß doch was sein, was bei  der  Stange  hält. Beschreiben kann man`s kaum. Hier trotzdem der - bebilderte - Versuch aus meiner sehr persönlichen Sicht. Es gibt hier keine Plattenkritiken, es sollen einfach einige Erinnerungen aus der Versenkung geholt werden, die vielleicht mancher auch so oder ähnlich erlebt hat. Erinnern wir uns gemeinsam.


Es war einmal ein kleines Land, in dem auch nicht wenig Leute lebten, die was für anspruchsvolle Rockmusik - wie man es nannte - übrig hatten. Die Musikerziehung in der  Schule war nicht die verkehrteste. Es blieb was hängen. Und Rockmusik
gab es auch und gute und auch reichlich. Wenn auch im eigenen Saft  sich  manches davon drehte. Stern Meißen, Lift, Bayon und wie die heut noch heißen, war`n dankbar angenommen. Und doch war da, vielleicht nur unbewußt, `ne Lücke im musikalischen Universum, die, wie mir schien, bis dahin nicht gefüllt wurde. Doch das war schwer. Der kleine Staat hat, wie bekannt, versucht, dafür zu sorgen, daß man im Rockbereich kaum über`n Tellerrand seh`n konnte. Umsonst natürlich.

Der Norddeutsche Rundfunk mit seinem NDR 2 reichte über den Sender Torfhaus sicher 200 km tief in die DDR und kam damit in hervorragender Qualität mindestens bis Halle, wenn nicht weiter bis östlich von Leipzig. So kam schon einiges an. An Artrock oder Spielarten davon kann ich mich nicht erinnern, aber man war eben auch noch nicht in dem Alter, in dem das interessierte. So verschlief ich die YES-Alben YES (1969), Time And A Word (1970), The Yes Album (1971), Fragile (1972), Close To The Edge (1972), YESSONGS (1973), Tales from Topographic Oceans (1974) und  Relayer (1974). Going for the One (1977) hatte ich mir besorgen lassen, von Tormato (1978),Drama (1980), 90125 (1983) und Big Generator (1987) wusste ich zunächst nichts. Dann kam die Wende und man mußte nicht mehr auf Union (1991),Talk (1994), Keys to Ascension (1996),Keys to Ascension 2 (1997), Open Your Eyes (1997), The Ladder (1999), Magnification (2001) und folgende verzichten. Wobei manches dann doch nicht so toll war. Aber das Ganze hatte eine Vorgeschichte.

Ein kleiner Anstoß reicht zuweilen und der Himmel öffnet sich. In einer Stube, die mit 12 Leuten belegt war, war einer, der sie kannte und davon schwärmte. Von einer Platte, die 1973 in Vinyl gepresst außerhalb unseres Tellerrandes unter das Artrockvolk geworfen worden ist. Beim nächsten Heimaturlaub 1975 war ein Mitschnitt davon im Gepäck. Hör`doch mal rein. Die Musik hat Wirkung gezeigt. Manches blieb aber auch irgendwie undurchdringlich bis unbegreiflich, was ich aber erst viel später verstanden habe, denn es tat sich wirklich eine Tür zu völlig neuem Hören und Erleben auf. Ich habe diese Kassette mangels anderer Möglichkeiten ewig lange mit meiner damaligen "Heimstudio-Anlage" wiedergegeben, die sogar noch auf einem Foto drauf war. Die bestand aus einem Mitte der siebziger Jahre aus Japan importierten Mono-Kassettengerät ( die Bezeichnung war ATA) mit einem klitzekleinen Lautsprecherchen in Verbindung mit einem als Verstärker dienenden russischen Kofferradio VEF 202 mit 5 Kurzwellenbändern, das man heute getrost als Weltempfänger bezeichnen könnte. Das war doch schon ganz schön international, nur

daß der passende internationale Artrock fehlte, aber da hatte ich ja nun eine Kassette von YES. Bei dieser Qualität hat man sicher 70% des musikalischen Potenzials gar nicht wahrgenommen. Aber wen hat denn das gestört damals. Das war 1975 und es waren Live-Mitschnitte von den YESSONGS - einem Dreifachalbum aus dem Jahr 1973. Links kann man meine erste "Originalkassette" vom November 1975 sehen. Ich habe die natürlich noch. Und mit Close To The Edge (CTTE) und And You And I (AYAI) wurden da bei mir auch gleich die Weichen in die heute noch bevorzugte Richtung gestellt. Kein Wunder, wird doch CTTE allgemein als die beste YES-Kreation aller Zeiten angesehen. Sicherheitshalber habe ich mir damals auch aufgeschrieben, wer in der Gruppe was spielt - man weiß ja nie. Lange Zeit hatte ich nur diese Kassette und irgendwann hatte ich die vor allem wegen der Qualität ein kleines bißchen über. Bis zu dem Tag im September 1977, als ich definitiv bei einem DDR-Sender, denn es war in Dresden :-), 

den Titel Wonderous Storys hörte. Dieser wunderbare Song von der Platte Going for the One war die Initialzündung. An diesem Tag ging die Jagd nach YES los. Kurz vor Weihnachten 1978 bat ich die Großeltern, Platten von Yes aus dem Westen mitzubringen. Going for the One und die YESSONGS brachten sie mit. Der Himmel hatte sich zum zweiten Mal geöffnet. Es war überirdisch. Ein auch heute nur für Ossis nachzuempfindendes Gefühl, die Platten wirklich in der Hand zu halten. Aber ich sollte gleich auf den Boden der Realität zurückgeholt werden. Die Großeltern wollten gerecht sein und meinem Bruder, der sich bei der fast feierlichen Übergabe plötzlich und unerwartet auch für YES interessierte, die Hälfte der Platten abgeben. Wie teilt man das Dreifachalbum YESSONGS und die Going for the One gerecht ? Richtig, man schneidet eine Platte von den YESSONGS ab. Nach zwei Stunden Kampf konnte ich`s verhindern und reklamierte die Songs für mich. Kann sich Burkhard aus dem Westen überhaupt vorstellen, was wir diesbezüglich durchgemacht haben ? (Burkhard tritt erst im 6. Teil dieser Geschichten auf). Es gibt heute nach 32 Jahren noch AHA-Erlebnisse, die vielleicht mancher kennt, wenn man in alten Stücken plötzlich eine Sequenz oder eine Hintergrundlinie entdeckt, die man so noch nie gehört zu haben glaubte.

Das Potenzial ist unerschöpflich. Eben Yes. Und so sicher, wie es seinerzeit klick gemacht hatte, so sicher konnte man im Osten sein, niemals ein YES-Konzert oder eins von ANDERSON BRUFORD WAKEMAN & HOWE besuchen zu können. Auch die Platten von letzteren gehören für mich zum Allerfeinsten. Keine der danach folgenden neuen Yes-Produkte hat meiner Meinung nach diese Qualität wieder erreicht. Wenn man sich aber in den Titel Magnification reinhört, da steckt doch schon was drin, vor allem in der Live-Version. Die Gestaltung des Covers von ist allerdings der absolute Tiefpunkt. Haben die sich mit Roger Dean ihrem langjährigen Stamm-Cover-Gestalter
Yes in Dresden im Großen Garten am 14.06.03

zerstritten ? Kürzlich habe ich die -seit 10 Jahren nicht angerührte- Drama aus dem Regal genommen, da in verschiedenen Kritiken recht viele Leute diese als
beste Yes-Platte bezeichnen und habe die mir einfach paar mal hintereinander angehört. Naja, die Beste sicher nicht, aber so schlecht, wie ich es bisher dachte, ist die tatsächlich auch nicht. Auch wenn die Stimme von Trevor Horn etwas gewöhnungsbedürftig ist, so ist das trotzdem Musik in bester Yes-Tradition. Vielleicht trifft das nicht auf jeden Titel zu aber Machine Messiah ist ein sehr gut durchdachtes kompositorisches Gebilde mit hübschen Einfällen. Die Anleihen bei Pink Floyd und ihrem welcome to the machine sind aber m.E. nach unüberhörbar. Nun waren jedenfalls bis 1991 alle wichtigen Platten in Vinyl rangeschafft, die ich übrigens alle irgendwo im Westen des Landes gekauft habe. Im Osten war nach wie vor tote Hose, man hat hier zwar tonnenweise Ladenhüter aus dem Westen zu beachtlichen Preisen verkauft, aber YES war natürlich nicht dabei. An ein Konzert habe ich nicht mehr geglaubt. Es gab hier auch kaum Informationen über die Szene. Bis zu diesem Zeitpunkt war also nix mit

Bis ich eines Tages im April 1991 beim Tapetenkleben war und Überraschendes im Radio hörte und wörtlich fast von der Leiter fiel, worüber, wer möchte, hier was lesen kann.

© hans-peter waack  
aktualisiert am 20.03.08 Themen Home