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            Die Mauer  
     
  Technische Daten
 
     
 
Typ: Seitenraddampfer  Hersteller: Werft Laubegast Baujahr 1897 Zylinderkessel mit 2 Flammrohren Kapazität: 600 Personen
Leistung: 140 PS Länge: 56,08 m Breite: 5,04 m Breite über Radkästen: 10,20 m Sitzplätze: 
Gebaut als Habsburg wurde der Dampfer 1919 in Riesa umbenannt. 1976 außer Dienst gestellt. 1978 Museumsschiff in Oderberg.
 
  Sommerfahrplan 2010  
       
  Bilder stromauf
 
     
 

Es ist der 17.07.75. Der Personendampfer RIESA passiert die Pillnitzer Elbinsel. Dass ich von diesem Schiff noch mal ein Foto bekomme, hätte ich nicht erwartet. Den hatte ich ja nicht mal in meiner Übersicht ganz oben berücksichtigt. Dazu gibt es eine Geschichte, die ich der werten Leserschaft nicht vorenthalten möchte. Jochen Vielhauer erzählt:
Das Schiff fuhr an diesem Tag um 16:30 Uhr ab Dresden-Altstadt: 3 Minuten vor Aufnahme dieses Bildes war ich noch an Bord der „Riesa“. Doch jetzt, wo die „Riesa“ schon wieder in Flussmitte schwimmt, warten am Hinterschiff immer noch ein Dutzend Fahrgäste auf den Ausstieg.

 
       
 

Was war geschehen?
Als wir von der „Riesa“ gingen, bot sich das übliche Bild beim Anlegen: Der Dampfer war mit dem Hinterschiff am Anlegeponton festgemacht. Der Bug zeigte auf die nahe Uferböschung. Ein Matrose sicherte mit dem Bundstaken die Lage des Dampfers, damit das Vorderschiff von der Strömung nicht ans Ufer gedrückt wird. Auf dem Backbordradkasten stand der Schiffsführer am Maschinentelegrafen und beobachtete den Fahrgastwechsel. Etwa 50 Fahrgäste waren im Begriff, den Dampfer im Gänsemarsch zu verlassen.

Plötzlich begannen sich die Schaufelräder mit „Voll voraus“ zu drehen. Nun ging alles sehr schnell innert dreier dramatischer Sekunden: Der Kondukteur und der Bootsmann am Hinterschiff konnten das um den Poller geschlungene Seil nicht mehr fixieren. Das Schiff riss sich los. Die gerade auf das Übergangsbrett tretenden Fahrgäste mussten gesichert werden. Das Brett selbst – hier in Pillnitz sogar die Luxusvariante mit Handlauf (Geländer) - versank in den Fluten. Der Schiffsführer eilte die 4 m von der Nock an das Steuerrad, riss es herum und verhinderte gemeinsam mit dem völlig überraschten Matrosen am Bug, der den Bundstaken am Vorderschiff neu zu setzen suchte, in letzter Sekunde, dass die „Riesa“ sich praktisch schon mit Höchstgeschwindigkeit in die aufragende Uferböschung gebohrt hätte. Die „Riesa“ bewegte sich nun zur Flussmitte und fuhr 100, 200 Meter stromauf und kehrte dann langsam – Heck voraus – zu einem neuen, nun erfolgreichen Anlegemanöver zurück.

Der Pillnitzer Agent, der auf dem Ponton das Ereignis verfolgte, sprach von einem Fehler am elektrischen Maschinentelegrafen.

Die Maschinentelegrafen waren bei den Dampfern erst Anfang der 70er Jahre aufgerüstet worden. Die Sprachrohre, die zuvor die einzige Kommunikation zum Maschinisten ermöglichten, blieben weiter betriebsfähig erhalten. Bei deren Nutzung konnten die Fahrgäste die Kommandos und Manöver zum Maschinenraum deutlich mit verfolgen.

Bei der Rekonstruktion der Dampfer in den 90er Jahren verschwanden leider diese markanten Messingrohre, die einst an keinem kleinen oder großen Dampfschiff fehlen durften. Heute hat der Schiffsführer einen Fahrstand auf beiden Radkästen, so kann er ohne Ortswechsel und unverzüglich das Schiff steuern und Kommandos an die Maschine geben. Der heutige, technische Fortschritt führte aber zum Verschwinden einiger traditioneller Elemente, die Generationen von Schiffspassagieren auf der Elbe mit Spannung und Interesse verfolgt haben: Das Bundstaken-Setzen beim Anlegen und Wenden (wird heute über die Bugstrahlruder realisiert), das Herunterkurbeln des Kamins bei Brückendurchfahrten (heute geräuschlos per Knopfdruck und elektrischer Winde), die Kommandogabe in den Maschinenraum (...) Bei der bedrohlichen Situation in Pillnitz ist dank der Geistesgegenwart der Besatzung weder ein Fahrgast noch das Schiff zu Schaden gekommen.

Leider ist 1 Jahr später die „Riesa“ aufgrund des Kesselzustands außer Betrieb genommen worden. Das nicht mehr betriebsfähige Schiff ist seit 30 Jahren im Binnenschifffahrtsmuseum Oderberg zu sehen.

 
 
 
 
 
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