Zähneputzen am Mekongufer

7.Tag – Kampong Cham: Die Stadt machte auch am Morgen keinen besseren Eindruck. Wir haben aber viele Leute kennen gelernt, die sich ihren Optimismus bewahrt und kleine Inseln der Lebensfreude geschaffen habe, was immer wieder erstaunlich ist. Und was gibt es Friedlicheres als Zähne putzende Mönche am Morgen an der Kaimauer ? Es war ein Besuch des Tempels Phnom Han Chey, etwa 45 Speedbootminuten nordöstlich von Kampong Cham gelegen, vorgesehen.
Mit dem Plasteboot über den Mekong
Während wir in unseren “Speedbooten” in Ufernähe mit ca. 20 km/h dahinrasten, war es höchst interessant, das Treiben am Ufer zu beobachten. Die überschäumende Freude der Kinder – die es gewiss nicht leicht haben – ist phantastisch. Unterwegs habe ich mit einem 300er Tele ein paar Bilder vom Leben am Ufer des Mekongs versucht. Naturgemäß war die Ausbeute bei den Schlägen vom Wasser nicht sehr groß, denn die Speedboote waren eigentlich – auch bei uns übliche – Ruderboote aus glasfaserverstärktem Polyester. Aufgerüstet mit einem ca. 10 PS starken Außenborder wurden diese bei 10-20 cm hohen Wellen fast zu Flugbooten und es war für Leute, die es mit dem Rücken haben, sicher ein unvergessliches Erlebnis. Man musste Bedenken haben, ob die Boote der Belastung standhalten. Sie haben aber gehalten.
Holzsammler am Mekongufer
Da liegen zum Beispiel ein paar Stämme am Ufer und man wird das kaum registrieren. Die sind jedoch richtig wertvoll, denn man kann damit bauen und heizen und man kann sie verkaufen. Verkaufen ? Ja, es gibt in Kambodscha in einigen Landesteilen überhaupt kein Holz und so sind diese vom Mekong angespülten Stämme ziemlich wichtig für die Leute. Nach dem Krieg hat Vietnam in Kambodscha Aufbauhilfe geleistet, was viele Kambodschaner zwar anders sehen, denn die musste bezahlt werden. Wenn also Strassen gebaut wurden., wurde mit Holz bezahlt, weil kein Geld im Staatssäckel war – was zu bezweifeln ist, es sitzt nur in privaten Täschchen der Staatsdiener fest. Wieviel Holz bezahlt worden ist, kann man daran sehen, dass man in einigen Landstrichen überhaupt keinen Baum mehr findet.
Beim nächsten Bild handelt es sich sicher um ein Hausboot. Es ist aber nicht sehr wahrscheinlich, dass die Leute nur am Wochenende hier her kommen um zu angeln. Vielmehr wird sie wohl die Armut aufs Wasser treiben, denn viele leute können es einfach nicht bezahlen, an Land zu wohnen. Eine traurige Entwicklung in Kambodscha. Nicht nur wir waren unterwegs zum Tempel sondern auch jede Menge Leute zu Wasser und zu Lande. Es war ja ein bedeutendes Fest, welches gefeiert wurde. An der Anlegestelle zu Füßen des Tempels war dann entsprechend viel los.
Der Tempel Phnom Han Chey am Mekong
Das in der Provinz Kampong Cham gelegenen Chey Kiri Gebirge, wie es offiziell heißt, beherbergt auch einen Tempel mit dem Namen Phnom Han Chey und eine Pagode. In einem Reiseführer konnte man lesen, dass 295 schöne Treppenstufen hinauf führen. Nunja, die 295 glaube ich dem Reiseführer. Aber was die Schönheit angeht… Da müssten die Redakteure mal eine neue Bestandsaufnahme machen. Beim Anblick der zu bewältigenden Treppe kam sowohl beim Zustand als auch bei der Höhe – es waren ja schon wieder über 30 Grad C – große Freude auf. Das Gebirge ist nicht sehr hoch, aber man hat trotzdem eine phantastische Ausssicht. Der Ausblick auf den Mekong und das zu beobachtende Getümmel auf dem Gelände des Tempels entschädigten für den Aufstieg. Viele der mit dem Boot anreisenden einheimischen Händler haben ihre gesamte Handelsware offenbar hier über die schöne Treppe hoch geschleppt. Alle Achtung. Oben pulsierte das Leben in Reinkultur und sicher weit mehr als 2000 gut gelaunte Händler und Besucher hatten sich aus Anlass eines Feiertages herausgeputzt.
Es war das Fest Phchum Ben, das die Theravada – Buddhisten, das sind 90 % der Bevölkerung – feiern und das eines der bedeutendsten Feste der Khmer ist. Man kocht für die Mönche, die auf Almosentour gehen, bringt die üblichen Opfergaben zu den Tempeln und wirft Reis in die Nähe der Tempel. Man glaubt, dass die Vorfahren bzw. deren Geister das empfangen.
Tierchen aus Zucker zum Staunen
Es kann uns immer wieder in Erstaunen versetzen, mit welch einfachen Dingen Menschen einen zufriedenen Tag erleben können, jedenfalls in Kambodscha und anderen asiatischen Ländern. Wie weit sind wir Europäer davon entfernt! Da war zum Beispiel dieser junge Mann, der in fast nicht zu verfolgender Geschwindigkeit mit geschickten Fingern Figuren aus einer Zuckermasse formte, was die zunächst ungläubig dreinschauenden Zuschauer richtig in Staunen versetzte. Uns auch, denn das war wirklich ein Künstler. Man konnte die Figuren erwerben und dieScheine flogen ihm nur so zu. Kann man diese ehrliche Freude über ein so kleines ” Etwas” besser einfangen?
Die Almosentour der Mönche
Zwischenzeitlich formierten sich die Besucher zu einer langen Reihe. Das untrügliche Zeichen für die bevorstehende Almosentour der Mönche. Mit ihren Bettelgefäßen sammeln die Mönche Nahrungsmittel, die i.A. vormittags bis 11 Uhr gegessen sein müssen. Manchmal bekommen die Mönche auch Geld, das sie auch nicht ablehnen. Die Leute füllen nun also die mitgeführten Gefäße der Mönche. Da kommt was zusammen. Gehilfen der Mönche schaffen die vollen Schüsseln zwischendurch weg. Die Leute sind sehr bemüht und ganz bei der Sache. Warum machen die das?
Indem man an der Speisung der Mönche teilnimmt, versprechen sich die Buddhisten im nächsten Leben ein besseres Schicksal. Man wird ja wiedergeboren und da muss man sich kümmern und Pluspunkte sammeln. Gute Taten verbessern das Schicksal enorm und schlechte Taten führen entsprechend in ein unglückliches nächstes Leben – auf einen einfachen Nenner gebracht. Und den Mönchen was abzugeben, ist eine gute Tat. Und was tun wir für das nächste Leben ? Es würde erstmal reichen, wenn wir mit einem Lächeln auf den Lippen dafür sorgen,
dass unser jetziges Leben noch lange anhält. Wir wären in Deutschland dann schon einen großen Schritt weiter. Hier in Kambodscha kann man es lernen. Dieser freundliche Herr links im Bild mit dem Mikrofon hat stundenlang Lobreden auf Buddha gehalten, die über das ganz Gelände schallten. Er ging darin völlig auf. Das war so interessant, dass ich ihn nach längerer Beobachtung unbedingt fotografieren wollte. Das hat er gemerkt. Aus irgendeinem Grund fing er dabei so an zu lachen, dass er nicht mehr sprechen konnte und seine Lobgesänge unterbrechen musste. Vielleicht war er auch froh, mal Pause machen zu können, wer weiß ? Er bat dann um eine Spende in den schwarzen Topf, wozu ich nicht zweimal aufgefordert werden muss, da mir der Topf freundlich aber bestimmt herausgereicht worden ist. Danach ging es ihm gleich wieder besser und er setzte seine Gesänge fort. Irgendwie war das erfrischend, da zuzuhören, obwohl man überhaupt nichts verstanden hat. Vielleicht gerade deshalb ..
Grüne Buddhas gibts doch nicht …
… war bisher unser Kenntnisstand. Wir haben schon viele Buddhas gesehen, ein grüner war bisher nicht dabei. Einen solcher steht im Tempel Wat Nokor auf dem heiligen Zwillingsberg Phnom Proh ” Hügel der Männer “. Der Buddha war noch nicht “eröffnet” und man musste hinter ein Baugerüst klettern um ihn zu sehen. Um Himmelswillen darf man jedoch Buddhastatuen nicht besteigen. Aber das macht ja auch keiner. Wie in anderen auch, gibt es auch in diesem Tempel am Feiertag jemanden, der ständig Buddha lobt. Unsere Spende sorgte dafür, dass wir was deutsches ins Mikrofon sprechen sollten. Hoffentlich hat es niemand gehört…..
Teens sind doch überall gleich
Zum Schluss des Besuches trafen wir noch auf kambodschanische Teenies, die sich in ihrer leicht albernen Art in nichts von europäischen Altersgenossen Teenies unterscheiden. Dieser 13.Oktober 2004 war ein äußerst erlebnisreicher Tag und ich bin dankbar, dieses Fest erlebt zu haben, denn es wird nur einmal im
Jahr gefeiert. Man kann die Eindrücke kaum verarbeiten, auch wenn wir das meiste nicht verstehen. Aber auch hier ist es so, dass die Leute die Gemeinsamkeit suchen und finden. Aus dieser Gemeinsamkeit schöpfen sie Kraft für ihr gewiss nicht leichtes Leben. Auch deshalb schreiben wir das hier auf. Wenn es einen Hügel der Männer gibt, muss es auch… und der heißt Phnom Srey. Wir haben ihn aus Zeitgründen nicht bestiegen aber das soll sich ehr lohnen. Manchmal, muss man ehrlich zugeben, kommt man bei der tropischen Hitze an einen Punkt, an dem man sagt, bis hierher und nicht weiter. Das kommt zwar selten vor, aber es kommt schon vor auch wenn man 10000 km anreist, um alles zu sehen. Am nächsten Tag sollten wir nun endlich in der kambodschanischen Hauptstadt anlegen. Wir waren sehr gespannt. Nach einer mit tollem Sonnenuntergang beginnenden Nachtfahrt kamen wir am 14.10.04 am frühen Morgen an.



