Reise nach Kambodscha

Wir verlassen Vietnam. Das Land war ein unvergleichliches Erlebnis, obwohl wir außer dem Mekongdelta und dem Gebiet um Saigon bzw. Ho-Chi-Minh-Stadt nicht so viel gesehen haben. Die freundlichen Leuten bleiben unvergesslich. Über allem schwebte der Gedanke an das, was folgt. Kambodscha, das geschundene Land mit seinen wiederentdeckten Schätzen. Da gab es mal eine DDR-Schallplatte einer ungewöhnlichen Band namens Bayon und das Cover zeigte stilisierte Figuren vom Bayon-Tempel. Die Musik war auch herrlich exotisch und die Musiker kamen aus Kambodscha und aus der DDR. Das allein war schon ungewöhnlich im Amiga-Verbreitungsgebiet. Das Land müsste man mal sehen können ….

Grenzstation Vietnam - Kambodscha am Mekong am 11.10.04Nun fuhr das Schiff durch den Nachmittag in Richtung Grenze. Auf Höhe des Strassengrenzüberganges, der Chau Doc mit Kambodscha verbindet, blieb das Schiff dann einige Stunden liegen. Es lag Geheimnisvolles in der Luft. So haben die Schiffsreisenden wohl auch die Grenzkontrolle empfunden, die die kambodschanischen Grenzbeamten zelebriert haben. 5 Stunden hat es gedauert und wir kamen schon mit Visum ins Land. So muss es zu DDR-Zeiten am eisernen Vorhang gewesen sein.  Die Kontrolle erstreckte sich im wesentlichen nur auf die mitgeführten Dokumente, wurde aber mit außerordentlich bösem Blicke der Beamten bei jedem Touristen einzeln vorgenommen und eben stundenlang hinausgezögert, was wohl eher ein Nachweis der Wichtigkeit der Beamten sein sollte. Ein komisches Gefühl bleibt…

Man kann, man muss sich vorbereiten, wenn man in ein fremdes Land reist. Trotz Vorbereitung wird das eigene Erleben die Erkenntnisse bringen. In den Reiseführern ist das wirkliche Leben der Leute nicht erwähnt.

1979 ging eine vierjährige Periode zu Ende, die ca. 2 Millionen Menschenleben forderte. Das war die Zeit des Pol Pot – Regimes, welche mit allen Auswirkungen hinreichend bekannt ist. Es ist aus heutiger Sicht nicht verständlich, warum die “Weltgemeinschaft” tatenlos zugesehen hat, während man aus der Sicht des Jahres 2011 in Lybien sofort eingreift, um die “Menschenrechte” zu verteidigen und sich das richtig was kosten lässt. Kambodscha hat kein Öl. Kambodscha hat heute nicht mal mehr Holz. Was soll da verteidigt werden ?

Der Verbrecher Pol Pot ist tot. Friedlich gestorben als Rentner im Jahre 1998. Im Lande wurde eine konstitutionelle Monarchie als Staatsform etabliert, was heißen soll, der König hat nichts zu sagen. Er darf aber im Palast wohnen. Die Regierung und die etablierten Parteien geben sich demokratisch.  Man  kauft Familien mit kleinen Geschenken, damit die eine bestimmte Partei wählen. Kleine Parteien können sich die Geschenkeaktionen nicht leisten und haben es schwer, gewählt zu werden. Man lässt sich immer und überall korrumpieren. Man hört davon, dass politische Morde in Auftrag gegeben werden. Man hetzt die verschiedenen Volksgruppen gegeneinander auf. Von wirklichen demokratischen Strukturen kann wohl in Kambodscha unter diesen Bedingungen keine Rede sein, auch wenn es anfangs Bemühungen in dieser Richtung gab.

Dennoch hat man als Tourist nicht unbedingt den Eindruck, dass es gefährlicher als anderswo in Asien ist, wenn man sich an allgemeine Grundsätze hält und nicht nachts durch dunkle Strassen allein mit der Fotoausrüstung am Hals herumspaziert. Es ist leicht vorstellbar, dass es auf Grund der großen Armut in diesem Land und der Vielzahl von Waffen in Form von Kalaschnikow-MPis, die von zahlreichen Leuten wie selbstverständlich mitgeführt werden, ein Problem mit Raubüberfällen gibt. Wir haben sowas nicht ansatzweise erlebt, aber der Grundsatz, was ich nicht bei mir habe, kann mir nicht geklaut werden, gilt dort erst recht.

Ein wirkliches Problem sind die Minen. Nirgendwo gibt es mehr Minen als in Kambodscha.  Die liegen nicht in irgendwelchen Bunkern, sondern in der Erde. Überall. Leider ist auch die Gegend um Siem Reap betroffen. Es kann sich noch rächen, wenn man die beräumten Wege verlässt.

Das alles bedenkt man jedoch bei einer Schiffsfahrt auf dem Mekong weniger, die Landschaft fordert unsere ganze Aufmerksamkeit. Wir waren nun auf dem Weg nach Phnom Penh und standen noch lange an der Reeling, denn die Szenerie war jetzt eine völlig andere. Gespenstisch. Es gab um Ufer nun kaum noch Licht und die Nacht war geräuschlos. Die Stille wurde in eigenartiger Weise nur ab und zu von moslemischen Gesängen aus Moscheen unterbrochen. Was erwartete uns in diesem Land ? …weiter…