Von Singapur nach Bali

“Sie sind ein vergessliches Volk, und wahrscheinlich kann man nur so glücklich sein wie sie, wenn man ihre Fähigkeit hat zu vergessen.” 1) … womit Vicky Baum wohl wirklich recht hat. Gemeint sind natürlich die Einwohner der Insel Bali…

Über den Äquator nach Denpasar, Hauptstadt der Provinz Bali

Singapur-Modernes Bauen-Abflughalle Terminal II Singapur Changi     14.12.09Von Singapur kommt man problemlos – vielleicht auch ungern, wenn man die Stadt ins Herz geschlossen hat – weg. Der Flughafen Changi ist der angenehmste und übersichtlichste, den wir kennen.  Keinerlei Hektik und überall Leute, die weiterhelfen, wenns doch mal klemmt. Aber es klemmt halt nichts. Der Stadtstaat demonstriert mit dem Flughafen auch, wie man modern baut und trotzdem asiatisches Flair verbreitet. Einen kleinen Eindruck liefert das Bild unten links vom Eingang von der Abflughalle im Terminal II. Schön, dass man keine Abfluggebühr zahlen muss. Der Flug dauert 2 Stunden und 30 min. Man

Äquator südlich der malayischen Halbinsel - Zustand 2007

überquert den Äquator nach 1 Stunde völlig unspektakulär. Es gibt keine Taufe und keinen Sekt. Wenn es Sekt gibt, dann nicht wegen dem Äquator. Singapur Airlines, die die meisten Flüge in diese Destination mit Ihrer Tochtergesellschaft Silkair abgewickelt, macht es leicht, den Überflug zu genießen. Genau über dem Äquator entstand dieses Foto. Er ist schlecht zu sehen. Er verläuft von links nach rechts über der kleinen Wölkchenreihe und oberhalb des großen Wolkenhaufens, also auf dem Wasser des indischen Ozeans. Bei 800 km/h passiert es schnell, dass er unbeachtet durchhuscht.

Über die indonesischen Vulkane durch den Ring of Fire

Der Doppelvulkan Ijen in Ostjava am 060898Man sollte hinter dem Äquator etwa 45 min vor der Landung ein bisschen gucken, wenn die Flugroute über den nordöstlichen Zipfel der Insel Java führt, das macht sie meistens, aber nicht immer, wenn man von Singapur kommt. Interessant ist nämlich der Überflug über die Vulkane. Vielleicht sieht man den Doppelvulkan Gunung Ijen. In einem Krater hat sich ein sehr saurer See gebildet. Man kann sehen, wie giftig der ist. Das klappt nur bei freier Sicht, was nachmittags nicht so oft der Fall ist. Will man das fotografieren, reicht die freie Sicht nicht, die Scheibe muss sauber sein und man muss auf der richtigen Seite sitzen und am Fenster. Am 06.08.98 passte das alles zusammen. Der Krater sieht sicher nicht mehr so aus, denn der Vulkan lebt. Ring of Fire nennt man die Vulkankette, die sich durch ganz Südostasien zieht und an der die Insel Java Anteil hat und natürlich die kleinen Sundainseln. Bali hat also auch noch genug abbekommen. Ohne die Vulkane, vor allem ohne den Gunung Agung, würde die balinesische Kultur nicht so sein, wie sie ist.

Bildschirmfoto Flugstrecke Singapur-DenpasarIm Flugzeug hatte man genug Zeit, die Immigration – Card auszufüllen, ohne die geht nichts. Man landet auf dem internationalen Flughafen Denpasar im Süden Balis, den man an der engsten Stelle der Insel angelegt hat. Mit einem vor Ort mit 25 US-Dollar – für einen Aufenthalt bis 30 Tage – zu bezahlenden Visum lässt man die Reisenden hinein nach Indonesien. Den abgerissenen Abschnitt der Immegration Card wirft man besser nicht weg. Die Probleme bei der Ausreise möchte ich mir nicht vorstellen. Der Reisepass ist über das Abreisedatum noch mindestens 6 Monate gültig ? Im Reisepass ist mindestens noch eine ganze Seite frei ? Die braucht man für das Riesen-Visum. Bali kann ein Problem sein. Grammatikalisch. Manche Leute fliegen nach Bali. Andere reisen auf die Insel Bali. Wieder andere fahren auf Bali. Wenn man versucht, ins Zentrum der Hauptstadt der Provinz Bali – Denpasar – zu kommen, steht man auf Bali. Irgendwie stimmt alles, aber wie immer man es nennt und wie immer man hinkommt, man wird fasziniert sein.

Ankunft in Denpasar

Wenn man bis zur Immigration nicht gerade bummelt, kann das einen ziemlichen Zeitvorteil bedeuten, aber nur wegen der Steherei an den Schaltern für die Visagebühr (25 US$ passend) und an der Passkontrolle. Das sollte dann aber die letzte Stelle auf der Insel sein, bei der man sich beeilt. Der erste Eindruck ist positiv, denn bis hierher sollte alles reibungslos geklappt haben, auch wenn die in Uniform gesteckten Balier an den Schaltern nicht gelächelt haben. Nach 30 min verlässt man die Arrival – Hall. Nun wird gelächelt, auf Teufel komm raus. Das ist – noch – nicht das liebliche Lächeln der Balier, welches man erwarten darf, deshalb heißt es bei 32 Grad C einen kühlen Kopf zu bewahren, denn

Gepäckträger und Taxi-Schlepper

tauschkurs indonesische rupia euro 2009werden nun gleich für den 2. Eindruck sorgen. Wie überall in Asien, stürzt man sich zu Hauf auf die vielen ahnungslosen Ankömmlinge, um beim Gepäcktransport die nächsten 20 oder 30 m zu übernehmen. Dann wird man lächelnd einen unverschämten Preis von vielleicht 40 000 Rupia verlangen. Soviel Gepäck hat aber niemand mit. Angemessen sind vielleicht 3000 Rupia pro Gepäckstück, wenn man es denn selber nicht mehr schafft. Oder man wird unter ständigem Beteuern, dass die Fahrt ganz billig ist, zielgerichtet ein Auto ansteuern und der Fahrer wird 150 000 bis 250 000 Rupia verlangen für die Fahrt in die näheren Urlauberzentren im Südosten und Südwesten. Und wenn man nicht einen Transfer von Deutschland aus gebucht hat – was regelmäßig auch völlig überteuert und deshalb nicht zu empfehlen ist – und weil man beim ersten Aufenthalt die Preise nicht kennt – wird man u.U. gleich zum ersten Mal übers Ohr gehauen. 100 000 Rupia sollten dicke reichen, um nach Sanur zu kommen. Nach Kuta sollte das aber erst recht reichen und im Preis sollte die Rückfahrt gleich mit enthalten sein.

Der Preis muss vorher verhandelt werden, das machen manche “Schwarztaxifahrer” nicht gern und wenn man erst mal im kühlen Auto sitzt, hat er schon gewonnen. Besser bezahlt man erst, wenn man angekommen ist. Wer das alles nicht möchte, bedankt sich einfach lächelnd und geht weiter. Einmal bedanken wird vielleicht nicht reichen und wahrscheinlich auch einmal weitergehen nicht.

Ab ins Gewühl der Insel Bali

Reinigungszeremonie im Tempel in Besakih

Und dann ist man drin, im unvergleichlichen Land Indonesien mit seiner einzigartigen Perle Bali. Der Taxi-Fahrer, auch der offizielle, wird sofort seine Dienste als Reiseleiter anbieten und seine Karte überreichen und er wird gleich fragen, zu welcher Zeit er am nächsten Morgen im Hotel sein soll – zur ersten Rundreise. Niemand lässt was anbrennen, aber im Grunde wird man nun höchst freundlich aufgenommen und darf sich freuen auf das, was die Insel bietet. Aber verdienen wollen natürlich alle was. Es geht weiter: Need Transport ? Need Watch ? Motobike ? Boat ? Rolex ? Parasailing ? Sailing ? Diving ? Massage ? Painting ? Carving ? … und selbstverständlich das hundertfach am Tag gehörte

Come in my Shop !

drogist auf dem nachtmarkt in sanur /07.01.09sind einige der pausenlosen Angebote für Touristen an der Strasse oder am Strand. Ja, es nervt, aber man lässt ab, wenn man freundlich mit terima kasih antwortet, was Vielen Dank bedeutet. Der Drogist vom interessanten Nachtmarkt in Sanur war ausgerechnet alles andere als aufdringlich, sondern sehr zuvorkommend. Wenn man die Angebote nutzt, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, wird man zwischen den Zeilen ihre Sorgen kennen lernen und verstehen, warum sie sich sehr bemühen, Geschäfte zu machen. Es geht um den notwendigsten Lebensunterhalt. Viele der Balier glauben aber, ohne die Touristen nicht überleben zu können. Aber so lange gibt es den Massentourismus auf der Insel auch noch nicht und vorher gings auch. Da haben sich freilich Abhängigkeiten entwickelt. Die Balier betrachten Vulkanausbrüche als schicksalhaft und haben sich damit arrangiert. Die Bombenexplosion von 2002 in Kuta jedoch war nicht nur ein Anschlag mit vielen Opfern. Es war der Supergau schlechthin für einen Teil der Bevölkerung Balis. Von 2002 bis 2004 war die Insel touristisch wie gelähmt. Verständlich. Wir erlebten 2004 die Misere hautnah. Geschlossene Geschäfte, Hotels und Gaststätten. Die Straßen ziemlich leer. Die Zahl der nämlichen Händler halbiert. Die Preise unten. Gespräche mit Einheimischen waren von großer Nachdenklichkeit geprägt. Bali erholte sich nur langsam. In den folgenden Jahren bekam das Asiatische wieder Oberhand. So wurde die Insel wieder das, was sie war. Es bleibt ein Rest. Und eine Veränderung ist vor sich gegangen. Auf den Speisekarten steht die russische Übersetzung jetzt vor der englischen und ein Teil der russischen Touristen gebraucht die Insel als Bühne ihrer dümmlich-arroganten Geltungssucht. Und die Balier wundern sich sehr über deren Benehmen. Das alles ist nicht das wirkliche Bali, obschon man das beim flüchtigen Hinschauen denken könnte. Bali ist anders.

Bali braucht viel Zeit

Am Muttertempel in BesakihMan wird die Insel nicht im Vorbeigehen kennenlernen. Man wird die balinesische Lebensweise als Fremder überhaupt kaum  verinnerlichen. Wer sich bemüht, wird vielleicht nach einer gewissen Zeit nach und nach dorthin kommen, wo Balis Geschichte und Religion begründet ist. Die Sehenswürdigkeiten sind ziemlich über die Insel verteilt. Es ist anfangs nicht verkehrt, vielleicht erst mal 2 bis 3 Rundreisen mit einem offiziellen (!) Guide zu buchen. Offiziell deshalb, weil die Anzahl selbsternannter Guides, die zwar für großes Geld zu den Sehenswürdigkeiten fahren, aber nichts erklären können, einfach zu groß ist. An drei Tagen mit einem der tempel pura ulun danu im bratansee / 06.01.09Kleinbus kann man stressfrei viel Wesentliches sehen und hat dazu Erläuterungen, die unbedingt notwendig sind, denn die balinesische Mythologie ist an sich nicht leicht zu verstehen, aber diese – vielleicht ohne Vorkenntnisse – den Tempeln und religiösen Stätten zuordnen zu wollen, übersteigt wohl unsere Möglichkeiten als Besucher mit  begrenzter Zeit.

Ich empfehle gern unseren Freund Ignasius Suradin, mit seinem kleinen Unternehmen Komodo-Bali-Tours, der seinen Sitz in Denpasar bzw. Sanur hat und der uns  noch nie enttäuscht hat.

Neben den offiziellen Stätten wird man die eindrücklichsten Erlebnisse ohnehin bei den Festen, Feiern und Ritualen haben. Wer sich bemüht und nicht am Hotelpool rumdöst, wird die aus den unterschiedlichsten Anlässen stattfindenden Zeremonien beobachten können. Die Hotelangestellten werden dazu bereitwillig Auskunft erteilen. Und wenn man ganz, ganz großes Glück hat, erlebt man vielleicht auch eins der ganz großen Feste mit den Höhepunkten Galungan am ersten Tag  und Kuningan am letzten Tag des 10-tägigen Festes. Das sind wichtige  Termine, die aber nur aller 210 Tage stattfinden.

Bali hinter den Kulissen des schönen Scheins

die dunkle seite von bali - tempelbauer in sanur /17.12.06Interessante Eiblicke bekommt man auch bei der Arbeit auf dem Reisfeld oder in den Werkstätten. Die Drecksarbeit bei der Herstellung von Haustempeln zeigt man den Touristen freilich nicht. Zweifellos sind Balier sehr gute Handwerker. Man kann Maler, Tischler, Silberschmiede, Holzschnitzer und Steinmetze bei der Arbeit beobachten und kommt aus dem Staunen kaum heraus. Das wird auch verkaufsfördernd in Szene gesetzt, indem man in den angeschlossenen Läden gleich zum Kaufen animiert wird.

1) Zitat aus : Vicki Baum Liebe und Tod auf Bali Verlag KIWI 2007 Seite 21