Die Frauenkirche am Neumarkt

Der Wiederaufbau der Frauenkirche am Neumarkt in Dresden

Altes geborgenes Turmkreuz der Dresdner FrauenkircheDresdner Schloss 1964 vom Rathausturm aus - Foto Steffi HartigDer Name Frauenkirche geht zurück auf ein Kirchlein namens “Zu unserer lieben Frau,” welches ursprünglich hier stand. An ihrem Platz entstand George Bährs Meisterstück. Über die Umstände ihrer Entstehung steht genug geschrieben, man muss nicht lange suchen. Hier geht es mehr um Bilder, doch können ein paar Worte nicht schaden. Über diesen Platz, auf dem sie steht, der teilt. In einem kann man einig sein. Wir, die wir den Platz nicht kennen von vor dem Angriff am Faschingstag, dem 13. Februar 1945, können uns kaum vorstellen, wie das hier war. Ein gewachsener Platz. Dazu die einzigartige Meisterleistung des Baumeisters George Bähr als Krönung – die im Mai 1743 mit der Aufsetzung des goldenen Kuppelkreuzes vollendete Frauenkirche. Die vergilbten Ansichten des für immer verlorenen Stadtbildes können Ahnungen vermitteln, mir kommt bei deren Anblick Trauer und Enttäuschung hoch. Man fragt sich dann und wann, was wäre, wenn …? Und nüchtern fällt die Antwort aus, die man sich selber geben kann: Es ist aber nicht ! Die Zeit gab dieser Stadt ein einzigartiges Gesicht. Die Menschen nahmen es brutal. Nun heilt es wieder, seit über 60 Jahren. Sehr langsam, das liegt an den Ärzten. Die besten waren das immer nicht. Die einen schnitten ab, wo man noch retten konnte, die anderen glaubten, Ruhe bringe was. Weil Geld für weiteres Verbinden fehlte, machte man eine Tugend aus der Not und stellte diesen Stumpf derweil zur Schau. Und schlug zwei Problemfliegen mit einer großen Klappe. Nie wieder Wunden, rief man und erzielte Wirkung bei den Nachgeborenen.  Doch nicht bei denen, die das Vorher kannten. In mindestens zwei Dresdner Generationen vor uns stand der Wunsch, die Kirche wieder aufgebaut zu sehen, an erster Stelle. Doch wurde dieser Wunsch so vielen Leuten nicht erfüllt. Es dauert halt, so ein Projekt.

Die Ruine der Dresdner Frauenkirche als Mahnmal

1964 : Ruine der Frauenkirche in Dresden Foto Steffi HartigGenerationen hat man an der Ruine verweilen lassen. Als Mahnmal gegen den Krieg ließ man sie so stehen, wie sie zusammengefallen war, von Sicherungsarbeiten der Bausubstanz und der Rettung einiger Bauteile abgesehen. Und ohne Zweifel hat das bei der Jugend eine gewisse  Wirkung gehabt, jedenfalls solange man davor stand. Hat die Ruine aber letztendlich irgendwas bewirkt, was uns in irgendeiner Weise vorwärts gebracht hat ? Aus heutiger Sicht muss man das bezweifeln. So brodelte der Gedanke an den Wiederaufbau wie in einem erloschen geglaubten Vulkan über Jahrzehnte vor sich hin und als der Druck von Innen groß genug war, schmolz das letzte bisschen Deckschicht und es kam zur Freisetzung der nötigen Energie. Wie immer, wenn sich Großes Wege bahnt, sind satte Säcke fehl am Platz. So kamen die Macher dieser Idee nicht aus den Ratsstuben, auch wenn sich die Ratsstubeninsassen später selbstprofilierend eingeklinkt haben. Nein, Bürger mit Visionen Dresden Frauenkirche am 25.09.09erkannten die einmalige Gelegenheit, ein Werk zu beginnen, das außerhalb unserer Realität zu liegen schien. Die zukünftigen Bedenkenträger waren schon damit beschäftigt, sich selbst in die neuen Machtstrukturen einzuordnen und manches zu verschleiern. Doch Taten waren da gefragt und es musste losgehen. Die Zeit war reif und günstig war sie auch. Die Stadt hat auf anderen Feldern mit diversen Hufeisentieren im Nachhinein bewiesen, was Frauenkirche Dresden am 04.05.08geworden wäre, wenn man sie gelassen hätte. Wiewohl, sie wirkte mit. Der Bau begann im Jahre 1993 mit der Enttrümmerung der Ruine. Im Oktober 2005 wurde die Kirche geweiht. George Bähr würde sicher den heutigen Bauleuten auf die Schulter geklopft haben und lächelnd bemerkt haben ” … wenn ich Eure Möglichkeiten gehabt hätte…”. Dem Stadtbild hat es gut getan.

Nun steht sie da. Schön. Gewaltig. Mittelpunkt. Beeindruckend.

Die alten Dresdner zu Tränen rührend. Nur die ? Die ersten Ladennutzer gaben auf.  Der Platz, auf dem die Kirche steht, ist zweigeteilt. Er war es von Anfang an. Was heißt, er steht im Zwielicht der Interessen. Das müsste hier ein Volksplatz sein, doch ach … Des Volkes wahrer Himmel ist das nicht.

Konzepte für den Neumarkt ?

Was verstehen viele Dresdner heute unter dem Neumarkt ? Edelgastronomie, Mietobjekte, Geldanlage, Langeweile. Disneyland. Teuer !

Und die Stadt befördert das mit Macht. Um in der Liga Weltstadt mitzuspielen, braucht es viel von dem, was dort entsteht.Und doch, die Mischung macht`s. Die fehlt. Das ist ein Kirchplatz, sagt die Eine. Was will sie denn verhindern ? Das war schon immer Marktplatz, weiß man doch. Die provinziellen Funktionsträger ohne sächsischen Hintergrund in der Aussprache halten den Platz pflichtgemäß bereit für Investoren.
Und meinten wohl, das ist der Selbstläufer unter den Mittelpunkten der Welt, was den Zustrom der Geld bringenden Touristen angeht.
War das bequem, die Frauenkirche nach der Fertigstellung zu verkaufen als touristisches “must see”.

Viel brauchte man nicht tun. Der Hahn, aus dem Besucher flossen, war füllhorngleich geöffnet. Der Zustrom geht zur Neige. Wo setzen jetzt Konzepte an ? Der Platz ist voll mit Menschen, vor allem, wenn es warm ist und die Busse kommen. Wenn es kalt wird, wird es öd. Man versuche auf diesem Weltplatz einen Fotofilm zu bekommen oder einen entwickeln zu lassen. Man versuche, eine Zeitung zu kaufen, sich irgendwo hinzusetzen, eine Karte zu schreiben und die Kirche wirken zu lassen. Oder schnell einen Imbiss zu bekommen oder einen Kaffee im Stehen oder – meinetwegen – eine Tüte Milch. Man hoffe nicht, den Kaffee zu entsorgen. Da muss man suchen und wird doch nichts finden. Da wird der Platz dann doch zum Mittelpunkt der Welt…

Halt!

Der merkwürdige Kampf der Stadt Dresden gegen seine Originale

Skarbovskis Gastromobil am Dresdner Neumarkt - Das OriginalMit dem Imbiss stimmt das nämlich nicht so ganz. Da gibt es doch dieses merkwürdige Fahrzeug, genau so oft fotografiert wie die Frauenkirche selbst. Ein Dreirad – aus Indien. Beschriftet mit TEMPO FRITZ. Nach dem erklärten Willen der Stadt eine Randerscheinung. Gut, dass es wenigstens 3 Räder – und eins davon angetrieben – hat, denn es bewegt sich  wirklich recht häufig am Rande des Neumarktes auf geheimnisvolle Art und Weise. Trotzdem steht es immer im Mittelpunkt. Wie geht das ? Rühren die geheimnisvollen Bewegungen von den indischen Wurzeln her ? Nein, lässt sich vernehmen, die Bewegungen wurden in den vergangenen Jahren auf noch viel, viel geheimnisvollere Weise direkt aus dem Rathaus gesteuert. Zunächst nur aus den unteren Schaltzentralen.  Denn SKARBOVSKIS GASTROMOBIL stellt offenbar eine ernstzunehmende und deshalb hart zu bekämpfende Konkurenz für die neuaufgeschlagenen umliegenden Edelgastronomen dar. So musste es sich ständig bewegen, von einer Ecke des  Neumarktes zur anderen, je nachdem, wer in den zuständigen Ämtern gerade am Stuhl klebte und seine Bedenken gegen das rote Gastromobil zum Neumarkt trug. Mit anderen Worten, von öffentlichem Grund wurde das kleine Auto ständig verjagt. Es war immer zu breit, zu rot, zu hoch, zu niedrig, zu preiswert.  Manchmal war es gar ganz verschwunden. Wochenlang. Gekündigt vom Liegenschaftsamt. Sein Mobil passe nicht in die Kubatur des Neumarktes.  Wenn ein solches Original nicht passt, was denn dann, ihr Heinis ? Es bekam am Ende Asyl auf privatem Baugrund. Ich behaupte, dass es ohne seine Imbissversorgung die Frauenkirche nicht geben würde, denn das war eine der Anlaufstellen für Bauarbeiter, Architekten, Bauleiter, Frauenkirchenpfarrer – und Organisten,  Fernsehleute, Journalisten, berühmte Trompetenbläser und Frauenkircheninitiatoren, Investoren der umliegenden Quartiere, Strassenmusiker, Schokoladenmädchen und und und. Eine Ex-Tourismusmanagerin hat es nicht als notwendig erachtet, mal vorbeizuschauen. Muss sie ja auch nicht. War halt eine typische Vertreterin des Ein Original - Skarbovskis in seinem Gastromobil am NeumarktTourismuskonzeptes welches an den Dresdnern vorbei geht. Ein Riesenfehler, wie sich herausstellte. Obzwar, das hat sich nicht geändert. Wie auch immer, an diesem kleinen Fensterchen wurden  und werden wahrhaft Brücken zwischen den Menschen geschlagen – war das nicht erklärte Absicht des Kirchenbaues ? Und es wird mehr für den Tourismus getan als in einer hochbezahlten  Amtskemenade, so dass irgendwann die Kunde vom unteren Schmierentheater  bis  in die alleroberste warme Stadtstube drang.  Und  so ganz unbegeistert war die Frau Oberbürgermeisterin – ob des äußerst lebhaften öffentlichen Interesses -  über die angebotenen Bockwürstchen dann wohl nicht  und sie scheint sie jetzt ein bisschen zu mögen, obwohl sie ein Angebot zum gemeinsamen Bockwurstessen bisher nicht wahrgenommen hat. Die unteren Schaltzentralen schalten auch schon wieder … Mein Gott, ist der Platz nicht groß genug ??

Neumarkt mit Frauenkirche in DresdenDie Fassaden und Ensembles gab es ja schon mal. Wer weiß schon, ob die wieder stimmen ? Das Pflaster auf dem Neumarkt stimmt schon nicht. Dem Zeitgeist wurden Lücken angepasst. Genug geschmollt, es gibt auch Zukunftweisendes. Etwas, das dieser, vor verkehrsproblemlösenden Ideen nur so strotzenden Stadt die verkehrskonzeptionelle Krone aufsetzt. Etwas, was die Kommunikation zwischen verirrten Autofahren und unschuldigen Fußgängern befördert, ehe erstere ihre sächsischen Knöllchen empfangen. Man kann auf dem Neumarkt mit seinem Auto Runden drehen, bis man entweder alles gesehen oder sein Hotel gefunden hat. Wie man da herumfährt, ist völlig wurscht, wenn man nur keine Touristen umfährt. Das ist nicht geregelt, ausgerechnet, denn die Regelungswut dort kennt sonst keine Grenzen, wie man hört. Die Frauenkirche Dresden im Februar 1981Dresden 1974 Imbiss am Neumarkt - Foto Steffi HartigÜber solche Sachen haben die zwei Typen im Februar des Jahres 1981 auf dem Sockel vom Lutherdenkmal nicht nachgedacht. Eine Vorstellung von einem anderen Neumarkt hatte die auch nicht, denn der Neumarkt war für deren Begriffe intakt. Es gab eine Imbissbude in Form eines Schiffes und da gab es Bier. Eine andere Vorstellung zu haben, war angesichts der brach liegenden Fläche auch nicht einfach. Die Zeiten haben sich mächtig geändert. Der Typ links im Bild schreibt jetzt an dieser x-ten Seite. Warum ? Weil er vom Nachwendegeschehen am Neumarkt trotz allem ziemlich beeindruckt war und immer mal die Kamera abwechselnd von unten oder oben draufgehalten hat. Dazu in lockerer Form ein paar Gedanken über den Aufbau der Kirche und das Drumherum. Die Fotos schlummern in Form von Negativen, Abzügen und digitalen Daten vor sich hin und kommen hier nun mal an`s Licht. Möge es für den Betrachter so interessant sein, wie für den Autor selbst. Einige Fotos verdanke ich Frau Steffi Hartig (†) aus Dresden, die die Fertigstellung der Neue Barockfassade am Dresdner Neumarkt - Bild vom 20.02.08Dresden - Altes Polizeigebäude und Baustelle Neumarkt am 14.09.03Kirche nicht mehr erleben konnte aber mein Interesse daran befördert hat. Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche wurde auch der Neumarkt in Dresden nach vielem Hinundher wieder neu gestaltet, jedenfalls zum Teil. Ein “Opfer” war der einstige Neubau des Polizeigebäudes. Der war sicher nicht erhaltenswert, weil archtektonisch recht beliebig. Sehr bedauerlich war jedoch auch der Abriss der unter dem Neumarkt ausgegrabenen, recht gut erhaltenen alten Stadtmauer, die man im linken Bild zum Teil erkennen kann. Rechts ein Ausschnitt aus einer neu gestalteten Barockfassade, die zwar alles andere als echt ist, aber insgesamt an dieser Stelle sicher die bessere Lösung ist.