1967 – Der Weihnachtsmann bringt einen Mittelformat – Fotoapparat POUVA START
Fotografen kennen die Geschichte. Ein bekannter Bildautor wurde in einem Restaurant vom Koch gefragt, welche tolle Kamera er denn benutzt. Nach gutem Essen lobte er den Koch und wollte wissen, in welchen tollen Töpfen er die Speisen zubereitet…
Man kommt zum Fotografieren z.B. über das Knipsen. Die Eltern schenken einen Fotoapparat. Solche Geschenke gab und gibt es vorzugsweise Ende Dezember mit Schleifchen. Das kann die Initialzündung sein. Bei Manchem zündet nichts. Bei mir war es dazwischen. 1967 gab es eine Pouva Start aus dem Kamerawerk Freital für Rollfilm 6×6. Keine schlechte Idee aus heutiger Sicht. Gleich Mittelformat. Gehäuse aus “schlagzähem” Bakelit. Das scheint an so einem Apparat sehr wichtig gewesen zu sein. Ein beliebtes Verkaufsargument in der DDR. Das stammte wohl noch aus der privaten Zeit der später im VEB PENTACON DRESDEN zusammengezwungenen Fotoapparatehersteller in der DDR. Irgendwie hatte das Gehäuse Charakter. Es gab ein Objektiv zum Herausschrauben auf ungefähr 50 mm Brennweite und 2 Blenden – Sonne und Wolken. Langzeitbelichtungen waren möglich, wenn man den Auslöser drückte und einen Hebel darüber schob. Über Filme und Empfindlichkeiten hat man sich keine Gedanken gemacht. Das war Sache des Schenkenden. (Foto mit freundlicher Genehmigung vom Kameramuseum Kurt Tauber Pegnitz).
1. Bahnmotiv : Eisenbahn auf Rollfilm 6×6 im Jahre 1967
Man musste den dunkelroten Film, mit 12 (!) Bildern beim Format 6×6, einlegen. Übervorsichtig, damit der sich nicht schon bei Licht entrollte. Dann drehen, ganz langsam, bis im roten Fensterchen an der Rückwand die Pfeile erschienen. Das war ja so spannend. Dann kam die Bildnummer und dann ging es los. Zuerst die schwierige Entscheidung, ob Sonne oder Wolken einzustellen war. Nach jedem Bild die Aufregung, ja nicht die nächsten Pfeile und die Bildnummer zu verpassen. Nach dem Knipsen musste man den Rollfilm zukleben. Der ekelhafte Geschmack von der Gummierung am Klebefalz kostete jedes Mal Überwindung. Bleibende Kindheitserinnerungen. Eine erste Richtung bei der Motivwahl war ein Zug. Die Eisenbahnstrecke Halle/Saale – Arenshausen führte gleich hinterm Haus entlang. Da gab es auch eine Bahnschranke und die Gleise der Werkbahn vom VEB Braunkohlenwerk Röblingen. Kurz nach Weihnachten entstand das Bild. Technisch daneben, aber es war das erste Foto überhaupt. Der Anfang war gemacht.
2. Bahnmotiv : Eisenbahnfähre STRALSUND und Dampflok 86 759 im Jahre 1968
Sommer`68. Eingequetscht im Trabbi ging es gefühlt auf Weltreise zur Ostsee. Die Kamera war dabei und 1 Film. 1 Film ! 12 Bilder ! Für 2 Wochen ! Da verschenken Eltern eine Knipskiste und dann das. Reisepause am Bahnhof Wolgaster Fähre auf der Insel Usedom. Man konnte als Knirps nur staunen, was es alles gab. Von den 12 Bildern habe ich gleich eines für die Eisenbahnfähre STRALSUND geopfert. Stellen wir uns gedanklich vor, was dort ablaufen würde, wenn es so etwas heute gäbe. Man wäre mit Sicherheit nicht allein dort fotografieren und die Digitalkameras würden im Dauerfeuer betrieben. Ganz sicher hätte sich auch jemand im Motiv postiert.
Dampflokfoto mit Büttenrand vom Dienstleistungskombinat Foto
Dann kam eine Dampflok. Bei 12 Bildern, die für den Urlaub geplant waren, musste man überlegen. Die Szene war es mir offenbar wert. Das nebenstehende Foto ist eine Kontaktkopie, im Original 6×6 cm groß und das Negativ hat sich erhalten. Den Büttenrand vom DLK FOTO ( Dienstleistungskombinat Foto) gab es gratis. Wartezeit auf die Bilder war so um die 3 (ja wirklich, drei – oder doch mehr ? ) Wochen. Wie ich heute weiß, war es die Dampflokomotive 86 759, die nach Ankunft der Fähre den übergesetzten Zug mittels zweier Zwischenwagen vom Fährschiff zog. Leider haben mich die Loks dann nicht mehr sehr interessiert. Es blieb in den Folgejahren, eisenbahnfotografisch gesehen, bei jeder Menge verpasster Gelegenheiten. Und dann kamen die Zeiten, wo Fotografieren nicht mehr das Wichtigste war. Aus heutiger Sicht entstand eine Lücke von 7 Jahren. Was hätte man alles aufnehmen können. Dampfloks aller Baureihen, alte Eloks, die neuen Dieselloks … Die Bilder von oben sind hier eingeordnet.
Mit einer Altix-n vom Kamerawerk ALTISSA in Dresden zum 3. Bahnmotiv im Jahre 1975
Viel Auswahl war ja nicht und so verschlug es mich 1975 wieder zur Insel Usedom. Mit einer vom Vater geborgten “silbrigen” Altix-n. Nur nach Betteleien gab er sie heraus. Am Bajonettverschluss konnte man die Objektive austauschen. Hätten die den mal weggelassen. Der geborgte Fotoapparat des Vaters war nach dem Urlaub nicht mehr zu gebrauchen, da sich das Bajonett beim Ausleben des Spieltriebes verklemmt hatte. Das Stück habe ich zur Erinnerung noch einmal auf dem Flohmarkt erstanden. Dabei handelt es sich um die erste Ausführung der Altix-n vom Dresdner Kamerawerk ALTISSA ungefähr aus dem Jahr 1958. Bei dieser ist das Logo auf der Oberseite angebracht. Das Objektiv ist ein 1:2,9 mit 50 mm
Brennweite der Meyer-Optik Görlitz. Blende und Belichtung wurden geschätzt. Relativ sicher war: Sonne lacht – Blende 8. ORWO-Filme waren gutmütig und haben Abweichungen von 2 Blenden durchaus verkraftet. Man konnte mit den 7×10 cm großen Abzügen leben. Auf der Insel kam wieder was vor die Linse, was ich noch nicht gesehen hatte. Triebwagen. Die Fotos waren noch nicht so toll. Es hatte auch niemand erklärt, wie es geht. 1977 – “Weltreise” nach Dresden. Rundherum Schmalspurbahnen. Ich brauchte irgendeinen Fotoapparat. Wider Erwarten hat der Vater die reparierte Altix noch einmal verborgt. Mit der habe ich geübt, Güterzüge zu fotografieren, ohne
zu wissen, wie man fahrende Züge aufnimmt. Hier steht, wie das war. Das nebenstehende Bild zeigt auch, welchen Aufwand man seinerzeit für die Negativarchivierung getrieben hat – nämlich keinen. Die Filme kamen aus dem Entwicklungsanstalten als Negativrolle und so wurden die auch gelagert. Und abgerollt und aufgerollt und abgerollt usw. Und so sehen die auch aus. Man kann da heute digital einiges retten., allerdings mit sehr großem Aufwand. Für einen eigenen Apparat fehlte nach wie vor Geld. Ich fand einen hundealte 6×9-Balgenkamera auf dem Dachboden. Name habe ich vergessen. Leider war die Planlage des Films nicht so besonders. Nach zwei Filmen war Schluss.
Umstieg auf das ORWO Kleinbild SL-System
Umstieg triffts nicht ganz. Während der studentischen Geldnot schenkte mir jemand irgendwann zwischendurch eine Beirette SL 100 – in Orange und auch vom Kamerawerk Freital-, eine wirkliche Billigknipse mit dem sogenannten Schnellladesystem.
Sah noch mehr nach Spielzeug aus. Die Kassetten gab es nach meiner Erinnerung mit 12 und 24 Bildern. Die Kamera machte auf mich immer den Eindruck, als ob man nicht sicher sein konnte, dass die wirklich aus lichtdichtem Material bestand. Sie war aber offensichtlich die Weiterentwicklung der POUVA START. (Foto mit freundlicher Genehmigung vom Kameramuseum Kurt Tauber Pegnitz). Mit der habe ich meinen ersten Diafilm überhaupt verknipst. Viel mehr musste sie in meinem Besitz nicht leisten. Mangels anderer Farbbilder ist das Bild oben von der Dampflokomotive 52 8034 für mich letztendlich doch noch interessant geworden. So ging die lichtbildnerische Eierei bis Anfang 1978. Nach meiner Erinnerung gab es nicht soviel Auswahl an spiegelreflektierten Kameras aber die letzten Fahrten eines ziemlich bekannten Triebwagens der Reichsbahn zwischen Berlin und Wien standen an. Einige Prakticas, die Exa und eben die Zenit kamen in Frage, von denen einzelne sich auch mal irgendwo im Regal verloren haben, Vielleicht war eine Praktika zu teuer oder es gab gerade keine.
Eine kommunistische Spiegelreflexkamera Zenit E kommt im Jahre 1978 ins Haus
Ich weiß heute nicht mehr warum, aber es wurde eine ZENIT E aus der Sowjetunion. Das herausragendste Merkmal war ihre Robustheit. Die Kamera wurde im Westen als REVUEFLEX E vertrieben. Die hatte einen Rolltuchverschluss und die Belichtungszeiten betrugen 1/30-1/60-1/125-1/250 und 1/500 sowie B. Es ging trotzdem! Mit dem Objektiv Helios 2/58 konnte man leben. Das Objektiv hatten unsere sowjetischen Freunde einem Carl-Zeiss-Objektiv “nachempfunden”, heißt es. Es war immerhin eine echte Spiegelreflex mit integriertem – allerdings völlig normalen – Belichtungsmesser. Und es war die Zeit vor den Olympischen Spielen 1980 in Moskau. Man hatte der Kamera deshalb das olympische Symbol aufgedruckt. Man fühlte sich weltoffen. Kleine Begebenheit am Rande. Während einer Fototour im Jahre 1981 traf ich an der heimatlichen Bahnstrecke zwei Fotografen “aus dem Westen”. Einer hatte eine Kamera dabei, die der meinen aus sowjetischer Produktion bis auf den Namen völlig glich, das konnte ja nun jeder Laie sehen. Das war so eine oben genannte Revueflex E, womit ich damals aber nichts anfangen konnte. Klang ziemlich teuer. Darauf angesprochen, dass wir wohl mit der gleichen Kamera fotografieren, entgegnete mir der Fotograf, dass das doch keine kommunistische Kamera sei, denn so etwas würde ihm sicher niemals ins ins Haus kommen… ja, ja… und Gruß nach Heidenheim…
Mit der Spiegelreflexkamera auf der Jagd nach den Zügen
Mit der Kamera entstand im März 1978 das nebenstehende Foto von der Dampflok 52 8119. Es war überhaupt eines meiner ersten Fotos der 52er in Röblingen am See und aus gebührender Entfernung aufgenommen. Ein Genosse von der Transportpolizei war ja im Bahngelände fast immer präsent. Den haben die olympischen Ringe auf dem Body – früher sagte man noch das altmodische Wort `Kameragehäuse` – überhaupt nicht beeindruckt. Die Weltoffenheit der Transportpolizisten schlich ja der selbigen der Fotografen immer meilenweit hinterher oder fehlte ganz. Es war auch nicht die Zeit, als die Deutsche Reichsbahn zum Fotografieren einlud. Die Kamera
kam noch rechtzeitig, um wenigstens einmal und bei schlechtem Licht den Triebwagen der Baureihe 175 der Deutschen Reichsbahn im Elbtal in der Sächsischen Schweiz abzulichten. Der Zug wurde mit dem Fahrplanwechsel im Mai 1979 auf einen lokbespannten Zug umgestellt. Die Zenit E hat dann 4 Jahre – u.a. auf der Dampflok, obwohl ich sie da wegen dem Dreck nicht immer dabei hatte, richtig was mitgemacht. Aber das Verhältnis zu dem Stück war nicht frei von Zweifeln. Das 58-mm-Objektiv blieb in gewissem Maße gewöhnungsbedürftig. Vor allem war der Sucherausschnitt viel kleiner als das Abbild auf dem Film. Es blieb noch ein anderes
Problem. Farbbilder konnte man nur als Dia machen, die ORWO – Farbnegativfilme waren nach aller Erfahrung ziemlich schlecht. Allerdings kann ich über nebenstehendes Bild fast nicht meckern. Das ist mit einem normalen Flachbettscanner mit Durchlichtfunktion von einem maskierten ORWO – Farbnegativfilm NC19 gescannt. Viel besser werden die Scans von heutigen maskierten Farbnegativfilmen – zu Hause – auch nicht. Die Arbeit mit einem Fotobearbeitungsprogramm war allerdings sehr aufwändig, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Es gab damals nur eine Lösung …
Ein zweiter Fotoapparat EXA 1b muss im Jahre 1981 her
Eine kurze Verbindung bin ich deshalb mit einer EXA 1b mit Sucherschacht eingegangen. (Foto mit freundlicher Genehmigung vom Kameramuseum Kurt Tauber Pegnitz) Das Fotografieren der Bahn mit dieser Spiegelreflexkamera, bei der man von oben in den Sucher schauen musste und alle Bewegungen auf der Mattscheibe seitenverkehrt waren, war eigentlich bei fahrenden Zügen nicht möglich. Von der Grundkonzeption war die sicher ordentlich und man konnte in den Schacht ein Prisma einsetzen um normal durch den Sucher zu sehen. Musste man aber erst mal kaufen. Die kürzeste Belichtungszeit von 1/175 setzte Grenzen. Allerdings konnte man damals mit Dampfloks bespannte Güterzüge mit 1/125 sec ohne Probleme aufnehmen. Heute ist das undenkbar. Der Drang nach einer “richtigen” Praktica blieb bestehen.
1982 – Endlich eine richtige Praktica, wenn auch “nur” eine super TL 500
Es war nach wie vor nicht die Zeit, da man in den Laden gehen konnte um sich eine Praktica auszusuchen. Wenn man großes Glück hatte, standen mal 1 oder 2 Stück in einem Laden. Wenn man Glück hatte … Etwa 1981 kam die Praktica Super TL 500 auf den Markt. Die hatte es mir angetan, obwohl die Belichtungszeiten auch bei 1/500 aufhörten. Die gab es auch als TL 1000, aber nicht als ich im Laden war. Die 125stel konnte einen ZENIT – Erfahrenen nicht schrecken. Diese Kamera begleitete mich bis zum Ende der 80er Jahre. Dank unzähliger Erweiterungsteile war das eine Kamera für alle fotografischen Lebenslagen. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Peter Pahl Kameraschätze).
1990 – MTL 5B – Praktica-Reste im DDR-Ausverkauf zur Wendezeit
In der wilden Wendezeit kamen zwei im DDR-Ausverkauf billigst erworbene MTL 5B dazu. Mit denen habe ich bis weit in die 90er fotografiert. Auch fast unverwüstlich, aber die Kameras wurden nicht geschont und so sind Unregelmäßigkeiten entstanden. Probleme, die keine Werkstatt mehr reparieren konnte oder wollte, obwohl es gerade in Dresden bis zuletzt eine Praktica – Werkstatt in Kleinzschachwitz gab, die immer wieder Wunder vollbracht hat. Das 1,8/50 von Pentacon war und ist ein sehr gutes MC – vergütetes Objektiv. Ich nutze es heute noch manchmal an der Digitalkamera und es macht immer noch eine gute Figur. Ein Ersatz ist es auf Grund der fehlenden Möglichkeit, auf Unendlich scharfzustellen, nicht. Ein japanisches Objektiv RIKENON 1:1,4 ist mir mal zugeflogen. Was das wohl war, ein brauchbares Objektiv war es trotz der großen Öffnung nicht. Der Randbereich war im Grunde eine Katastrophe. Nach einem Film war Schluss mit dieser “Scherbe”.
1995 – BX 20 – Praktica – Reste in der Erprobung
Anfang der 90er Jahre gab es die Möglichkeit, planmäßig verkehrende Züge noch einmal in den schönsten Gegenden Deutschlands mit alten Dampflokomotiven zu befördern. Diese Einsätze waren zeitlich auf wenige Tage begrenzt und man war bestrebt, möglichst viele Fotos davon zu bekommen. Da hat jeder so seine Vorstellungen, wie man das machen kann. Es bot sich an, einen zweiten Fotoapparat mit einem Teleobjektiv und einen weiteren mit einem Normalobjektiv einzusetzen. Ich übernahm dazu eine Praktica BX 20. (Foto mit freundlicher Genehmigung vom Kameramuseum Kurt Tauber Pegnitz). Die war
| sehr reizvoll, aber der Traum vieler Fotografen in der DDR war früher ziemlich teuer. Ich konnte mich mit ihr überhaupt nicht anfreunden. Die Filmeinfädelei mit der Hand, ein Rückschritt zur TL-Reihe. Das Plastegehäuse war nicht nur aus Plaste, es sah auch so aus. Die Verarbeitung war insgesamt nicht besonders wertig und den Bajonettanschluss fand ich instabil. Ein großes Teleobjektiv ohne eigenes Stativgewinde hing regelrecht durch. Zusatzteile konnte man aus der Praktica TL-Zeit nicht nutzen. Was die Lautstärke anging, nahm sie sich mit der TL-Reihe nichts. Die war bei Videoaufnahmen von gleicher Stelle einfach zu laut und störte die Aufnahmen. Die Suche ging wieder los. |
1997 – Pentax P30 – Die erste “West”-Kamera6 – Ein Fehlkauf
Irgendwie war man an die kleinen kompakten spiegelreflektierten Kameras gewöhnt und auch die einfache Bedienung sagte mir zu. Autofokus kannten wir nicht und der fehlte uns deshalb auch nicht. Es wurde eine PENTAX P 30 T. Sie ist sicher ein ausgereiftes Stück und hat einige Asienreisen als Ersatz mitgemacht, aber Bedeutung hat sie bei mir nicht erlangt. Wieder suchen. Die Fotozeitschriftenverlage haben seinerzeit nicht schlecht an mir verdient. Da fiel mir eine, nach Prospektangaben, klassisch aussehende, aber mit zeitgemäßer Elektronik ausgestattete Kamera auf, die um 1996 gerade erst auf den Markt gekommen ist.
1997 – Entscheidung für das Minolta-System mit einer MINOLTA Dynax 600si
Sie hieß MINOLTA 600si classic. Da sind 2 Räder drauf und alles ist eindeutig. Nix mit kleinen Fensterchen für die Einstellungen. Was für konservative Bediener sozusagen, die nicht auf zeitgemäße Ausstattung verzichten wollen, konnte man auch im Prospekt lesen. Hat mir sofort zugesagt. Es stand eine Reise nach Asien über Singapur an. Da hatte ich vor Jahren mal vom Preisparadies Singapur gehört und wollte sie dort kaufen. Zusammen mit Datenrückwand, einem TAMRON 28-300 mm, SkyLine-Filter und Gegenlichtblende kam ich auch dort auf den normalen Preis, den ich in Deutschland gezahlt hätte. Zusätzlich war die Beschreibung in Englisch. Und die Stadt erfordert von der ersten Minute ein waches Fotografenauge. Da bleibt nicht Zeit zum Ausprobieren. Es ging am Ende gut aber eigentlich macht man es so nicht. Man sollte sein Handwerkszeug beherrschen. So zufrieden ich mit der Kamera war, haben Kameras heutzutage einen wesentlichen Nachteil. Wenn im Display” HELP” steht, wird es teuer. MINOLTA Bremen verlangte seinerzeit pauschal 320 DM, wenn die Reparatur ausgeführt werden soll, egal, was es ist. Und ich hatte diese hilflose Anzeige und keine Chance auf Selbsthilfe. Und es wurde teuer.
2002 – Das Foto – Preis – Paradies Singapur
Das vermeintliche Preisparadies ist Singapur nicht nur hinsichtlich Fototechnik ganz bestimmt nicht (mehr) und die Zeit, wo bei jedem Händler jede Kamera im Regal verfügbar war, ist auch dort lange vorbei Das TAMRON hat über 4 Jahre hart gearbeitet. Dann war es irgendwie “innerlich” mechanisch abgenutzt. Nach weiteren Recherchen beschaffte ich das SIGMA ASPHERICAL AF 28-300 LD 3,5-6,3. Sicher sind die Blendenöffnungen bescheiden, aber wer in der Tropenhitze durch die Landschaft streift, wird über jedes fehlende Gramm an Wechselobjektiven dankbar sein. Im Jahre 2002 ging ich wieder in Singapur durch die zahllosen, vergleichsweise immer noch gut sortierten Fotoläden. Beim vermeintlich günstigsten Angebot griff ich zu. Handeln ist Pflicht und so gingen noch einmal 10 % ab – an sich viel zu wenig – aber es war gerade die Zeit als im Kopf noch die DM war. Die während des Verkaufsgespräches notwendige, im Kopf vorzunehmende simultane Umrechnung der Preise von Singapur $ in Euro über die DM und der gleichzeitige Vergleich mit den recherchierten Preisen traf auf einen mit allen Wassern gewaschenen singapurianischen Profiverkäufer. Hier konnte nur einer gewinnen. Dieses Objektiv war bisher das beste Zoom, welches ich an der Kamera hatte. Noch an der digitalen KONICAMINOLTA D7D machte es eine sehr gute Figur. Bei späteren Sensoren, wie in der Sony Alpha 700, muss das nicht so sein und ich habe es auch nicht ausprobiert. Da an dieser Kamera auch andere Zoomobjektive scheitern, wie leidvoll festzustellen ist, bin ich mindestens von den Superzooms definitv abgekommen. Es sind Kompromisse, vor allem in der lichtarmen Jahreszeit in Europa. Darüber steht hier was geschrieben.
Geld zurück in Singapur
In Singapur sollte man in einem Laden mit GST – Aufkleber an der Tür kaufen, dann bekommt man am Flughafen die gezahlte Mehrwertsteuer zurück, wenn man Waren im Wert von über S$100 je Stück erwirbt. Auf die meisten Waren wird wie bei uns eine Mehrwertsteuer, die sich Goods and Service Tax (GST) nennt, erhoben. Die Geschäfte, die am GST Tourist Refund Scheme teilnehmen, sind mit einem Schild »Tax Free Shopping« gekennzeichnet. Damit man das Geld vor Ausreise wieder bekommt, muss man sich einen Tax Free Shopping-Scheck ausstellen lassen. Die Schecks sind beim Zoll am Flughafen abzustempeln. Dann löst man die Schecks am Global Refund-Schalter in den Terminals ein. Mit dieser Kombination Minolta 600si classic und SIGMA ASPHERICAL AF 28 bis 300 IF war ich mehrere Jahre sehr zufrieden. Jede Situation war zu bewältigen und mich hat vor allem das Arbeiten im guten Telebereich begeistert. Grundsätzlich hatte ich aber auch im sonnenüberfluteten Südostasien einen 400er Film oder zur Not einen 200er in der Kamera. Ich bevorzugte dabei den FUJI 400. Ich habe mit dieser Ausrüstung und einem zusätzlichen Reisestativ wieder 2 große Reisen unternommen. Die Technik ist trotz rauhem Umgang in gutem Zustand. Es gibt darüber einen Indochina – Reisebericht. Erst viel zu spät merkte ich, dass es ziemliche Probleme gibt, die 400er Negativfilme, von denen man brilliante Abzüge machen kann, für die Weiterverarbeitung auf dem heimischen Scanner zu digitalisieren. Das Korn ist recht dominant und die Farbe ist nicht realistisch.
Man hätte sich in den vergangenen 30 Jahren viel Ärger erspart, wenn man konsequent das Mittelformat verfolgt hätte und die Farbe mit Diafilm eingefangen hätte. Die Überlegung kam 2005 zu spät. Jetzt rollte die Digitalisierungswelle. Jetzt wird alles besser. Jetzt wird alles gut.