Noch unter dem Eindruck der Konzerte aus dem Jahre 2009 überrascht uns YES mit einer neuen Tour. Netterweise hat man sich den Dresdner Kulturpalast als Spielstätte am 29.11.2011 ausgesucht, wofür ich mal Danke sage. Nicht, dass die bestuhlten Reihen für ein YES-Konzert besonders geeignet wären, aber die durchaus vorhandene intime Atmosphäre der angejahrten Mehrzweckhalle lässt einige Nähe zur Band erwarten. Es ist im Übrigen die einzige Station der Tour auf ex-DDR-Gebiet, das gibt leider zu denken und auch in den gebrauchten Bundesländern stehen nur überraschend wenige Termine an.
Jon Anderson ( mit neuer Webseite http://www.jonanderson.com) wird erneut nicht dabei sein. Es sieht wohl so aus, als hätte sich die Ära Jon Anderson bei YES vollkommen erledigt. Dazu hat es im vergangenen Jahr im Oktober 2010 ein Interwiev gegeben, in dem er sich sinngemäß wie folgt geäußert hat:
Jon Anderson hat seinen Groll (.. auf YES .. ) überwunden. Seine Krankheit verhindert, dass er seinen Platz als Frontmann von der legendären Progressive Rock Band YES weiter ausfüllen kann. Er hat seinen Frieden gefunden im großen Plan der Dinge als auch mit seinen Bandkollegen. Nach anfänglicher Verärgerung, dass die Gruppe die geplante Tour zum 40-jährigen Bestehen der Band ohne ihn beginnen will, hat er eingesehen, dass sie ihren Lebensunterhalt verdienen mussten. (Das ist lustig, denn auch ohne die, leider nur mäßig erfolgreiche, Tour im Jahre 2009 wären sie sicher auch nicht gleich verhungert). Anderson räumt ein, dass er auf keinen Fall den Tourstress ausgehalten hätte. Der schwere Asthmaanfall von 2008, bei dem er dem Tod von der Schippe sprang, hat seine Leistungsgrenzen erheblich gemindert, so dass er nicht mehr 4 oder 5 Shows in der Woche spielen kann.
Auf seinen Nachfolger Benoit David ist er durchaus gut zu sprechen. Seine Auswahl wäre kein Fehler gewesen und ….Imitation ist die größte Schmeichelei.
Obwohl es so aussieht, als ob Jon sich endgültig von YES verabschiedet hat, bleibt er zuversichtlich, dass sich die Gelegenheit bieten wird, mit seinen alten Freunden Zeit zu verbringen. Vielleicht treffen wir uns, wenn wir in die Hall of Fame aufgenommen werden. Es kommt, wie es kommt, ich werde es nicht erzwingen.
Niemand solle denken, dass J.A. jetzt herumsitzt und Zeitung liest. Neben gelegentlichen Soloauftritten arbeitet er an zwei Opern und drei Musicals. Er entspannt sich auch bei der Malerei und prognostiziert, dass seine beste Musik von ihm noch kommen wird. Man solle nicht glauben, dass die beste Musik die er gemacht hat, aus dem Jahre 1972 stammt. (Damit kann nur Close to the Edge gemeint sein. Na Jon, dass wird aber echt schwer, Dein epochales Werk zu übertreffen.)
Soweit eine Kurzzusammenfassung.
Die für Mai 2011 geplante neue Studioplatte wurde nun auch mit dem derzeitigen Sänger David Benoit eingespielt und so wird sich YES in meinen Augen wohl irgendwann von der musikalischen Bühne in etwa dieser Besetzung verabschieden. Möge das aber noch in ferner Zukunft liegen. Die Platte heißt FLY FROM HERE und ist seit 2.Juli 2011 im Handel. Die beiliegende DVD kann man sich sparen, der Rest überrascht positiv.
Das YES-Linup hat sich traditionsgemäß wieder verändert, aber dass Geoff Downes wieder dabei ist, war so nicht zu erwarten. Der bedient also jetzt die Tasten.
Freilich gibt es auch jetzt wieder Kritiken ohne Ende über diese Veröffentlichung. Wenn wir FLY FROM HERE als Epos betrachten, fällt sicher auf, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Parts nicht unbedingt harmonisch sind, aber die einzelnen Stücke sind sehr schön arrangierte Kompositionen. Damit kann man leben. Technisch ist das Werk über jeden Zweifel erhaben. SAD NIGHT AT THE AIRFIELD dürfte jetzt schon zum Lieblingesstück vieler Fans werden. Kaufempfehlung.

